Freitag, 10. Februar 2017

Naomi Alderman: The Power

Naomi Alderman: The Power

Der Roman beschreibt eine interessante Fiktion. Immer mehr Frauen werden mit der "Power" geboren - sie können Elektrizität aussenden und sich so effektiv wehren oder auch angreifen. Wie verändet diese Fähigkeit die Gesellschaft?

das Cover zeigt eine Hand mit Kraft-Linien
Hier haben die Frauen die Macht
Roman, 331 Seiten
Sprache: Englisch 
Verlag: Penguin
Oktober 2016
ISBN-Quelle für Seitenzahl: 0316547611

und hier der Link zu Amazon.

Woher
gekauft aufgrund von Empfehlung meiner Kollegin
(Naomi Alderman ist auch die Autorin der Zombie-Run-Reihe)






Zusammenfassung

In "The Power" erzählt Naomi Alderman von einer Zukunft, in der Frauen den Männern körperlich überlegen sind. Denn folgendes passiert: Immer mehr Mädchen werden mit der Fähigkeit geboren, über ihre Hände einen Elektroschock auszusenden. Und sie können diese Fähigkeit auch in älteren Frauen erwecken. 

Der Leser begleitet im Buch immer wieder: Roxy Monke, Tochter eines Ganovenbosses, die machtliebende Senatorin Margot und ihre Tochter Jocelyn, den jungen Reporter Tunde aus Nigeria, der dorthin geht, wo die neue Kraft die Welt verändert und Allie, die als Mother Eve den Willen der Göttin verkündet

Dazwischen sind Berichte über das Geschehen aus der Welt, z.B. in Form von Ausschnitten aus Foren. Die einzelnen Kapitel werfen nur Schlaglichter auf das Leben der Personen und erzählen, was die neue Macht mit ihnen, den Menschen um sie herum und der Gesellschaft anstellt. Zwischen den einzelnen Schlaglichtern liegen manchmal große Zeitperioden. Zusammengefaßt sind die kurzen Kapitel in größere, deren Überschrift lautet "10 years to go...", "6 years to go ..." - so dass man immer gespannt ist, was am Tag 0 passiert. Auf welches Ereignis bewegt sich die Geschichte hin?


Naomi Alderman erzählt, wie sich die Menschen und die Welt durch die Power der Frauen ändern: man muss die Männer vor den Frauen schützen, es gibt Ablehnung, Neid, Hass und Bewunderung. Wir sehen Aufstände bisher unterdrückter Frauen. Es gibt friedliche und gewalttätige Revolutionen. Frauen lassen sich nichts mehr gefallen. Länder spalten sich ab. Gott ist eine Frau. Männer werden von Frauen vergewaltigt. Armeen bestehen hauptsächlich aus Frauen. Terrororganisationen wollen die Männer zurück an die Macht bomben und Forscher arbeiten daran, die Männer technisch aufzurüsten... Die Welt ist in Bewegung geraten und alles, was Naomi Alderman beschreibt, könnte genau so passieren, es wirkt alles sehr realistisch!

Das Buch hat auch noch eine weitere Ebene, denn die ganze Erzählung ist angelegt als geschichtliche Rückblende, als Bericht des jungen Autor Neils. Es ist seine historische Theorie, was vor dem sog. Cataclysm vor 5000 Jahren geschehen sein könnte. Er schickt seinen Entwurf einer gewissen Naomi und möchte ihre Meinung hören ("Is it very shocking? Too hard to accept that anything of this sort could ever have been the case, no matter how far back in our history?"). Naomi ermuntert ihn ("I think I'd rather enjoy this 'world run by men' you've been talking about. Surely a kinder, more caring and - dare I say it? - more sexy world then the one we live in.")

Persönlicher Eindruck

Durch die kurzen Verweildauer bei einer Person und die teilweise großen zeitlichen Sprünge dazwischen kam ich selten in einen Lesefluß hinein, was ich persönlich immer ein bisschen schade finde. Gerade wenn man mit einer Person mitgefiebert hat, kam schon das nächste Kapitel mit einer völlig anderen Person. Ich wollte dann aber noch in Gedanken etwas bei der aktuellen Person bleiben und hab dann erstmal Pause gemacht. Deshalb hat das Lesen länger gedauert, als ich eigentlich rein vom Text her gebraucht hätte.
Das Englisch war recht gut zu verstehen, aber nicht für Anfänger geeignet.
Die geschilderte Zukunftsvision war total spannend. Das Männer im Allgemeinen stärker sind als Frauen - was bedeutet es für die Gesellschaft insgesamt? Bedeutet dieser körperliche Unterschied, dass wir uns auch seelisch unterscheiden? Und was wäre, wenn die Frauen stärker sind als die Männer? Haben wir dann eine komplett andere Gesellschaft oder bleibt alles beim alten, nur umgekehrt? Ein interessantes Gedankenexperiment,bei dem ich das ein oder andere Mal schon schlucken musste, als ich Aldermans Vision las.
Mir gefällt, dass die Autorin keine perfekten Menschen vorstellt. Die Protagonisten sind gleichzeitig sympathisch und unsympathisch, sie haben Ecken und Kanten und sowohl hehre Ziele als auch niedere Motive.
Das das Buch als historischer Bericht eines Mannes 5000 Jahre in der Zukunft angelegt ist, war zuerst verwirrend und am Schluß des Buches dann genial. Es rundet den realistischen Eindruck des Buches ab.
 

3 Zitate

There are even gossip stories more interesting than this: the daugther of a newly elected Governor in New England has been photographed with a boy - a boy, apparently, with a visible skein. Tunde's heard about this. He did a piece where he spoke to doctors about treating girls with skein deformations and problems. Not all girls have it; contrary to early thinking, about five girls in a thousand are born without. Some of the girls don't want it, and try to cut it out of themselves; one of them tried with scissors, the doctor said. Eleven years old. Scissors. Snipping at herself like a paper cut-out doll. And there are a few boys with chromosome irregularities who have it, too. Sometimes they like it, and sometimes the don't. Some boys ask the doctors if they can have theirs removed. The doctor has to tell them, no, they don't know how to do that. More than 50 per cent of the time, if a skein is severed, the person dies. [Seite 170]

"Oh, your country [Bessapara] is delightful, Madam President - such old-world charm, combined with such focus and determination to move into the future together."
"Yes" Tatiana smiles thinly again. "We think we are maybe the most forward-thinking country in the world, you know."
"Ah, yes. I am looking forward to the visit to your science-technology park tomorrow."
"Tatiana shakes her head. "Culturally," she says; "socially. We are the only country in the world to really understand what this change means. To understand it as a blessing. An invitation to ... to ..." She shakes her head for a moment, as if to clear a kind of fog: "An invitation to a new way of living."
Margot says nothing and sips her wine again, making an appreciative face. [Seite 220]

When did he get so jumpy? And he knows when. It wasn't this last thing that made it happen. This fear has been building up in him. The terror put its roots down into his chest years ago and every month and every hour has driven the tendrills a little deeper into the flesh. 
He can bear it, somehow, in the moments when the imagined darkness matches the real. ... It has been a long time since he's felt comfort in a night walk. [Zufallszitat Seite 300]



Kommentare:

  1. Hört sich ja mal nicht schlecht an, nur ich bin ein Mann...und ich will mir das nicht vorstellen ;)

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    1. Ich denk, es ist weder besser, noch schlechter, sondern anders. Kein Geschlecht sollte das andere dominieren und unterdrücken.

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