Samstag, 17. Juni 2017

A Fairy Tale - Die Suche nach dem blauen Herz von Anja Stephan


Roman, 698 Seiten
BookRix Mai 2017 (Kindle)
epubli, April 2017 (Taschenbuch)
Genre: Urban-Fantasy, Abenteuerroman mit etwas Liebe
ASIN: B06Y1WCNY5
ISBN:  978-3745050066

hier das Buch bei Amazon

Woher: Rezensionsexemplar der Autorin. Ich danke sehr herzlich!


Der Anfang

Zufälle sind unvorhergesehene Ereignisse, die einen Sinn haben.
Paris ist groß und wenn man jemandem aus dem Weg gehen möchte, braucht man sich nicht sehr viel Mühe geben.


Zusammenfassung


Halbelf Scott McKenzie und das Fräulein Gwendolyn von Cleve, ein Hochelf, kennen sich seit ihrer Schulzeit in den 1890ern. Aufgrund eines alten Friedenvertrages zwischen ihren verfeindeten Familien erklären sie sich bereit, einander zu heiraten. Das Fräulein von Cleve zieht bei ihrem Verlobten ein und sie versuchen, etwas steif, sich an die Gegenwart des anderen zu gewöhnen.

Scott McKenzie beichtet dem Fräulein irgendwann, was das Problem an einer Hochzeit sein könnte: In den 1930ern, als er als Halbelf um sein Leben bangen musste, hat er sein Herz extrahiert, und es irgendwann verloren. Er ist noch fähig, Freundschaften aufzubauen, aber Liebe kann er nicht mehr empfinden.

Damit des Fräuleins siebte Hochzeit nicht genauso ein Debakel wird die letzten sechs, gehen McKenzie und das Fräulein auf die Suche nach dem blauen Herz. Dabei hilft ihnen ein geheimnisvolles Bild, das das Fräulein von ihrem Ex-Ehemann Ephraim zur Restauration bekommen hat.

Es geht um Liebe, Freundschaft und darum, das Glück zu finden.





Persönlicher Eindruck


Eine unglaublich großartige Geschichte, voller Charme und Stimmung.
Der Schreibstil, die Protagonisten, die ganze Welt, die die Autorin entworfen hat, sie haben mich mitgerissen und begeistert.


Handlung


Zunächst dauerte etwas, bis ich mich eingenordet hatte und wusste, was der Hauptplot der Geschichte ist: die Suche nach dem blauen Herz. Das war allerdings umständehalber, Kindle hat den Namen nur bis zu "Fairy Tale" angezeigt und zeigt bei mir standardmäßig das Titelbild nicht an.

Die Abenteuer, die der etwas biedere Antiquar McKenzie, seine flippige Verlobte, sein Lehrling Charles und dessen heimliche Freundin Bernadette auf der Suche nach dem blauen Herz bestehen müssen, sind sehr abwechslungsreich und spielen übrigens alle in Paris.

Das geheimnisvolle Bild, das ihnen bei der Suche hilft, hat mir auch sehr gefallen. Scott ist Antiquar, hat also mit alten Büchern zu tun, und Gwendolyn mit Kunst und Gemälden; das gab dem Buch eine künstlerische Umrandung, die viel zur Stimmung des Buchs beitrug.

Eine große Herausforderung stellt auch das Zusammenleben von Scott und Gwendolyn dar, wie er versucht, sich an ihre Unordentlichkeit zu gewöhnen und wie sie sich im Gegenzug erfreut sehr schnell an seine Kochkünste gewöhnt.

Die Handlung war nicht vorherrsehbar, vor allem von der großen Wendung am Ende war ich total überrascht und hätte es so nie erwartet.

Das Buch ist in sich abgeschlossen, auf der anderen Seite sind noch genügend offene Fragen und Nebenstränge übriggeblieben, die auf einen zweiten Band hoffen lassen.


Weltenschöpfung


Fantasy macht mir immer auch deshalb großen Spaß, weil ich gerne "fremdartige Welten" erkunde. Diesmal hat es mir besonderen Spaß gemacht, die Autorin versteht es meisterhaft, das phantastische in der Welt fast beiläufig einfließen zu lassen und etwas sehr eigenes zu kreieren. Damit konnte sie mich fesseln.

Die Fähigkeiten der Hochelfen und Halbelfen, die lange Lebenserwartung, die Standesunterschiede zwischen beiden, Elementarzauber und Magie; das hat mir immer ein großes Aha entlockt und es hat einfach sehr sehr viel Spaß gemacht, es nach und nach zu entdecken.



Charaktere


Für Scott McKenzie konnte ich mich stark erwärmen. Er ist ein etwas biederer Antiquar und verfügt über sehr höfliche Umgangsformen. Er ist außerdem integer, freundlich, mutig, gelehrt. Im Umgang mit dem Fräulein von Cleve ist er immer höflich und respektvoll, so ganz anders als ihre vorherigen sechs Ehemänner.

Gwendolyn von Cleve hat bisher auch nach 6 Ehen noch nicht ihr Glück gefunden. Sie hat zwei gute Freunde: die Muse Polly, eine Malerin, und Leonardo da Vinci, zur Zeit Honorarprofessor. Sie ist unordentlich, farbenfroh, detailverliebt und lebhaft.

Zwischen Scott und Gwen entsteht eine tiefe Freundschaft. Und Freundschaft und Respekt als Basis einer Ehe, das ist eine gute Ausgangslage. Wir erleben aufkommende Liebe ohne Drama und Romantik, das ist sehr erfrischend.

Die Szenen zwischen den beiden sind sehr lebendig beschrieben, was auch daran liegt, dass sie sehr unterschiedliche Charaktere sind, wie Feuer und Wasser. Gwen versucht sich z.B. mit Scott zu streiten, aber er lässt sich gar nicht provozieren und nimmt ihr den Wind aus den Segeln. Im Gegenzug animiert sie ihn dazu, seine Wohlfühlzone zu verlassen.


Sprachstil


Das Buch ist gut zu lesen, die Geschichte fließt und der Schreibstil paßt zur Geschichte. Es wird abwechselnd aus der Perspektive von Scott und Gwen erzählt. Der erste Wechsel hat mich überrascht, er war ohne Kennzeichnung von Scott auf Gwen übergewechselt. Danach hatte ich mich an die Wechsel gewöhnt.

Scotts ausgesuchte Höflichkeit gegenüber seiner Verlobung hat einen besonderen altertümlichen Charme, sie siezen sich die meiste Zeit über und er nennt sie Fräulein.

Eingestreut in die Kapitel sind literarische Zitate, z.B. von Orvid oder anderen Schriftstellern.

Negativ sind mir die Flüchtigkeitsfehler in der Rechtschreibung aufgefallen, die über dem Durchschnitt liegen. Noch nicht so viel, dass es groß stört, aber so viel, dass ich einen weiteren Lektor empfehlen würde.


emotionale Auswirkung


Das Buch bezaubert mit seinem Charme und führte zu einer positiven Stimmung.






Lesen oder nicht?


Würde ich Punkte vergeben, dieses Buch kriegte die Höchstpunktzahl. Wirklich, ich liebe es. Die Geschichte ist spannend, die Weltenschöpfung originell, die aufkommende Beziehung zwischen Scott und Gwen herzig, die Sprache angemessen. Das ganze Buch verströmt einen besonderen Charme.



3 Zitate


Bevor sie in das Arbeitszimmer eintrat, presste sie ein Ohr an die Holztür und lauschte. Nichts. Lesen war ja auch eine recht geräuscharme Tätigkeit. [Pos. 2255]

Was brachte es ihm, wenn er wusste, wie oft sie verheiratet gewesen war? Sie hatte es offenbar nicht geschafft, glücklich damit zu werden. Dafür konnte er sehen, wie sich ihre Freunde ums sie sorgten. Ein schlechter Charakter hat keine Freunde, sie sich um ihn sorgen. [Pos. 2568]

„Fräulein?“, fragte er unsicher und versuchte, aus ihrem verschleierten Blick etwas zu lesen.
Gwendolyn fing sich wieder. „Oh!“ Sie fühlte sich ertappt, wand ihre Finger aus seiner Hand und senkte den Blick. „Entschuldigen Sie, ich hatte gerade eine Idee für ein Projekt.“
Scott beäugte sie misstrauisch. Was für eine Idee sollte das denn gewesen sein? Für ein Bild? Er erinnerte sich an all die Akte, die er im Musée gesehen hatte und ihm kam diese Idee leicht suspekt vor. „Ich war dabei aber nicht nackt, oder?“
Gwen schien beinahe entsetzt. „Nein, auf keinen Fall.“ Jedenfalls nicht völlig. [Zufallszitat, Pos. 3862]


Rezension auf anderen Blogs

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Tintenkompaß
Letannas Bücherblog





Ich freue mich über jeden Kommentar. Kennt ihr solche Schicksalsschläge? Jedem, der das kennt, wünsche ich ein liebevolles Umfeld, das ihn tragen kann.

Kommentare:

  1. Hallo Liebes,

    ich staune immer über die Länge deiner Rezension :O Echt der Wahnsinn. Aber sie ist toll und sehr informativ. Vielen Dank dafür ♥

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Hallo Charleen,
      vielen Dank für das Lob, das freut mich wirklich.
      Ja, viele meiner Rezensionen sind länger wie der Durchschnitt. Wobei ich die Länge nicht automatisch als Qualitätsmerkmal sehe. Aber ich hab oft soviele Punkte anzusprechen, dass ich es nicht kürzer schaffe.

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  2. Hey,
    Ich habe gerade deinen Blog entdeckt und er gefällt mir richtig gut. Ich hab deinen Blog auch gleich mal abonniert. ;) Vielleicht hast du ja Lust auch bei mir mal vorbeizuschauen. Darüber würde ich mich sehr freuen. :D
    LG Benedikt von
    http://beneaboutbooks.blogspot.de/

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    1. Gerne! Ich hab bei dir die Montagsfrage beantwortet und meine Antwort lautet "Die Ladies von Missalonghi". Ein Buch, dass ich als 13-jährige sehr geliebt habe und das garantiert niemand kennt. Wer doch, möge reden oder für immer schweigen

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  3. Hallo Daniela,

    schön zu lesen, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Deine Begeisterung merkt man sehr und springt richtig über.

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      vielen Dank für deinen Gegenbesuch bei mir :)

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  4. Hi Daniela,

    ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und bin wirklich beeindruckt von der Ausführlichkeit deiner Rezension. Auch deine Aufteilung in verschiedene Unterpunkte gefällt mir sehr gut :-)

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo Desiree,
      ich schreib die Unterpunkte nicht immer hin; es wirkt komisch, wenn ich nicht so viel zu berichten habe; aber ich hangele mich immer anhand dieses "Schemas" entlang und versuche, zu jedem Punkt etwas zu schreiben.

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