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Freitag, 15. September 2017

[Anthologie #Insekten] (8) Hirschkäfergeschichten von Barbara Rath

Das Cover zeigt einen gezeichneten Hirschkäfer mit Fragezeichen über dem Kopf
Hirschkäfer ist verwirrt

Theatermanuskript, 24 Seiten
BVK, Februar 2012
Genre: Kinderbuch, Lernlektüre, Theatermanuskript
ISBN: 978-3867403122
hier das Buch bei Amazon


Woher: Gelesen im Rahmen der Insekten-Rezensionsanthologie



Erster Satz

Aus einem Ei war eine Art dicke Raupe geschlüpft,
die man Engerling nennt.


Zusammenfassung



Hirschkäfergeschichten ist keine klassische Geschichte, sondern ein Drehbuch für eine Theateraufführung oder ein Hörspiel für Grundschulkinder (3./4. Klasse).

In der Geschichte geht es darum, dass sich ein Engerling verpuppt und schließlich als Hirschkäfer schlüpft. Aber ist es wirklich ein Hirschkäfer? Schmetterling und Ameisen sind sich da nicht sicher, was den Hirschkäfer sehr traurig werden lässt.





Persönlicher Eindruck



Ich habe selbst schon Theaterstücke mit einer Kindergruppe (zwischen 8 und 12 Jahren) aufgeführt, daher hab ich von der Materie etwas Ahnung.

Das Drehbuch berücksichtigt die unterschiedlichen Leseniveaus der Kinder, so gibt es einen Erzähler, kleinere Sprechrollen und Soundjobs. Tipps zum Gestalten eines Bühnenbild, zu Requisiten und Kostümen gibt die Autorin auch. Dabei legt sie wert auf Praxisorientierung und einfache Umsetzung.  Die Regieanweisungen sind klar und das benötigte Bühnenbild wirklich gut beschrieben. Es lässt sich einfach umsetzen. Die Autorin gibt auch Hinweise zur Abwandlung, wenn mehr oder weniger Kinder an der Aufführung beteiligt sind.

Fazit: Die Aufführung gelingt sicherlich, gutes Drehbuch

Zu der Materie: In beschreibenden Worten und auch mit sprachlichem Humor und Wiederholung von Kernaussagen beschreibt die Autorin die Biologie eines Hirschkäfers, dass er zunächst als Engerling lebt, sich dann in einem Kokon verpuppt und schließlich als Hirschkäfer unterschiedlich aussieht als Männlein oder Weiblein. Wir erfahren auch, dass es bei Schmetterlingen ähnlich aussieht, während Ameisen von Ammen aufgezogen werden (siehe Zitat weiter unten).

Das Buch hat einige comicartige Skizzen der Insekten, aber realitätsgetreue Zeichnungen wären schön gewesen, damit die Kinder die Beschreibung der Hirschkäfer sofort auf die Wirklichkeit übertragen können. Mir selbst war z.B. gar nicht klar, wie diese Zacken der Hirschkäferdame denn aussehen und welches Ding auf ihrem Kopf das sein soll.



Hirschkäfer-Weibchen
so sieht es aus, das Hirschkäfer-Weibchen
Bild mit freundlicher Genehmigung von Markus Rink, Hirschkäfer-Suche.de


Fazit: Wir lernen spielerisch etwas über Hirschkäfer, Schmetterlinge und Ameisen

Die Geschlechtsverwirrung von Hirschkäfer Adele ist demgegenüber sehr vermenschlicht und etwas weit hergeholt, selbst unter Aufbietung aller Fantasy-Gene, die ich habe. Dennoch werden sich Kinder wohl eher nicht daran stören, wahrscheinlich genauso wenig wie an der kleinen, harmlosen Romanze, die mir auch nicht so gefallen hat.

Fazit: Die Storyline ist mager und vermag nur Kinder zu überzeugen


Lesen oder nicht?


Wer ein schönes Drehbuch sucht für eine Schul- oder Kindergruppenaufführung, der ist hier richtig. Es eignet sich m.E.n. auch zum Vorlesen für kleinere Kinder, die z.B. auch die Soundjobs nach Anleitung übernehmen können. Erstes Interesse an Insekten wird so geweckt.


3 Zitate



Ich weiß zwar nicht,
was du bist,
aber ein Hirschkäfer bist du ganz sicher nicht.
Hirschkäfer sehen zwar so ähnlich aus wie du,
aber die haben zwei große Greifzangen
in der Form eines Hirschgeweihs vor am Kopf.
...
Wenn ich du wäre,,
würde ich ganz schnell einmal herausfinden,
was ich bin. [S. 16]
                                                
Der Käfer blieb ganz erschrocken sitzen.
Er sollte kein Hirschkäfer sein?
Aber er fühlte doch, dass er einer war. [Zufallszitat, S. 17]
                              
Unsere Ammen haben uns aus dem Kokon gezogen.
Das nennt man Brutpflege.
Bei anständigen Insekten wird das so gemacht! [S. 21]


Hirschkäfer-Männchen
und das ist ein Hirschkäfer-Männchen,
Bild mit freundlicher Genehmigung von Markus Rink, Hirschkäfer-Suche.de


Querverweise

Dieses Heft konzentriert sich auf leicht vermittelte Biologie. Auch wenn Käfer sicherlich keine Geschlechtsprobleme haben, das biologische Hintergrundwissen ist korrekt. Daher erinnert dieses Heft an das Jugendbuch Käferkumpel.


Fußnote: Martin von Beutelwolf über den Hirschkäfer

Martin betreibt den großartigen Beutelwolf-Blog. Er schreibt über lebende und ausgestorbene Tiere und über Zoos. Auch Rezensionen findet man auf seiner Seite, hauptsächlich über Tiere im Allgemeinen. Martin hat selbst auch schon Kurzgeschichten, Beiträge und Bücher veröffentlicht.
Martin hat sich freundlicherweise bereiterklärt, mit uns sein Wissen zu teilen und einige Hintergrundinformationen zum Hirschkäfer zu geben:

Hirschkäfer sind die größten Käfer, die in Deutschland vorkommen. Die Weibchen sind kleiner und unauffälliger, nur die Männchen haben das imposante namensgebende Geweih, bei dem es sich um massiv vergrößerten Mandibeln handelt.
Die Weibchen locken ihre Partner mit Hilfe von Sexuallockstoffen an. Treffen zwei Männchen aufeinander versuchen sie den Gegner mit Hilfe ihrer Mandibeln auf den Rücken zu werfen. Der Gewinner paart sich mit dem Weibchen. Nach der Paarung legt das Weibchen ihre Eier in den Boden an die Wurzeln von toten oder kranken Bäumen. Die Larven brauchen zwischen drei und fünf Jahre, manchmal auch länger, bis sie sich zum Käfer entwickeln, die Lebenserwartung der Erwachsenen beträgt nur wenige Wochen.
Hirschkäfer lieben Eichenwälder, können aber auch in Gärten vorkommen. Das Hauptvorkommen ist Süd- Mittel- und Westeuropa. Die Larven brauchen krankes und totes Holz für ihre Entwicklung.

& der Verein Hirschkäfer-Suche.de


Ich möchte euch auf die Seite Hirschkäfer-Suche.de aufmerksam machen, von deren Seite die hier gezeigten Bilder stammen. Der Verein möchte uns den Hirschkäfer näher bringen und Daten über Verbreitung, Lebensraumnutzung und Lebensweise sammeln. Dazu kann man einen Hirschkäferfund online melden. Der Verein gibt auch Tipps, wie man helfen kann, den Hirschkäfer zu schützen.
Helfen können wir eher im Kleinen. Zum Beispiel den Mähtermin der Wiese etwas verlagern, wenn man weiß, dass ein Nest in der Nähe ist. Muss man um jeden Baum herum gnadenlos tief mähen oder reicht es nicht, dort etwas schonender vorzugehen? Hier kann man auch mal bei der Gemeinde vorstellig werden. Eine blühende Blumenwiese ist nicht nur ökologischer, sondern auch kostengünstiger in der Unterhaltung als ein stets geschorener Rasen! Aber auch diese Problematik können Sie nur im Einzelfall lösen, das sind oft dicke Bretter, die gebohrt werden müssen.
Es gibt auf der Seite auch Video-Anleitungen, wie man Hirschkäfern helfen kann, die man in einer Notsituation antrifft, z.B. wenn man ein Hirschkäfer hilflos im Wasser treibt. Ein sehr einzigartiges Angebot - schaut mal auf die Seite.



Ich freue mich über eure Kommentare. Hat jemand bei sich im Garten schon mal Hirschkäfer gesichtet?

2 Kommentare:

  1. Hallo, Buchvogel/Daniela!
    Wie du an meinem Namen erkennen kannst, habe ich die Hirschkäfergeschichte verfasst. Herzlichen Dank für deine Rezension, die ich gleich mit meiner Autorenhomepage verlinken werde. Ich bin übrigens vollkommen zufällig darüber gestolpert :-) Google ist so schlau!

    Deine Kritik in Bezug auf die Illustrationen teile ich absolut. Die Ausgestaltung eines solchen Buches ist allerdings Sache des Verlages. Als Autorin bin ich nicht "großkopfet" genug, dabei gewichtig mitzureden. Hier wurden schlichtweg Kosten gespart. In der Reihe LAUTER LESEN, zu der der Hirschkäfer gehört, sind alle Hefte einigermaßen minimalistisch illustriert, und zwar konsequent in ein und derselben Art & Weise. Dem ist eine absolut wünschenswerte Darstellung des Geschlechtsdimorphismus´ bei Hirschkäfern leider zum Opfer gefallen.
    Als gelernte Diplombiologin und frühere Zooführerin bin ich immer daran interessiert, Fachwissen und vor allem Interesse für die weniger im Fokus stehenden Tiere - zu denen Insekten nun einmal gehören - zu wecken. Freut mich, wenn das gelungen ist/gelingt.

    Wenn ich den Hirschkäfer bei Lesungen mit Kindern bearbeite, merke ich, dass die Kernfrage "Wer bin ich?" bzw. "Wie und wo kann ich herausfinden, wer ich eigentlich bin?" bereits an Grundschulen die jungen Gemüter bewegt: Kommt die Antwort auf die Frage von außen? Von innen? Aus dem Gefühl heraus? Die an diese Problematik anknüpfenden Gespräche mit Kids sind interessant.

    Ich habe schon Workshops mit den Titeln der Reihe LAUTER LESEN veranstaltet, d. h. mit einer Gruppe Kinder wirklich nur kurz (15 Minuten) geübt, dann für den Rest der Jahrgangsstufe oder für die ganze Schule vorgetragen - als szenische Lesung. Klappt prima. Besonders in Gruppen mit jahrgangsübergreifendem Unterricht, Schülern, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen oder dort, wo ein großes Leistungsgefälle herrscht, waren immer alle furchtbar stolz, zu der gemeinsamen Aufführung beitragen zu können.

    Neugierig wäre ich zu erfahren, wo du über diesen Titel gestolpert bist. Vielleicht erzählst du es mir einmal?

    Liebe Grüße und herzlichen Dank, dass du meinen Titel besprochen hast! Barbara

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    1. Hallo Barbara,
      toll, dass du diese Rezension gefunden hast, freut mich wirklich sehr, dass du als Autorin hier einen Kommentar hinterlässt!
      Deine Erfahrungen mit den Kindern bei der Aufführung ist wirklich sehr interessant. Ich glaube schon, dass das Stück gut ankommt.
      Auch interessant, dass du so wenig Mitspracherecht hattest bei den Illustrationen. Dabei ist das Layout und die Illustrationen doch fast genauso wichtig wie der Text, gerade bei so einem Buch.
      Gefunden hatte ich es einfach bei Amazon, als ich Bücher zum Thema gesucht hatte. Gar nicht so einfach, hier verschiedene Genres zu finden. Es kam gelegen als Ergänzung. Über Hirschkäfer, Kinderbuch, war es das Einzige.
      Liebe Grüße
      Daniela

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