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Mittwoch, 2. Mai 2018

[Rezension] Die drei Musketiere von Alexandre Dumas

Hardcover der drei Musketiere
ältere Ausgabe,
aber noch gut erhalten

Roman, 644 Seiten
Büchergilde Gutenberg Frankfurt am Main, 1975
ISBN: 3 7632 1915 3
Übersetzung von A. Zoller, überarbeitet von E. Päßler
Ausgabe mit historischen Bildern
Original von 1844


Woher: Vom Bücherschrank Bad Herrenalb


Erster Satz

Am ersten Montag des Monats April 1625 schien der Marktflecken Meung, wo der Verfasser des Romans der Rose geboren wurde, in einem so vollständigen Aufruhr begriffen zu sein, als ob die Hugenotten gekommen wären, um ein zweites Rochelle daraus zu machen.

Zusammenfassung


D'Artagnan und seine drei Freunde, die Musketiere Athos, Porthos und Aramis, erleben Abenteuer und Intrigen am französischen Hof des 17. Jahrhunderts.

Die drei Musketiere ist der erste Teil einer Trilogie. Der zweite heißt "Zwanzig Jahre danach" und der dritte " Der Vicomte von Bragelonne oder Zehn Jahre später".



Persönlicher Eindruck


Die drei Musketiere ist ein Historienroman, von Alexandre Dumas geschrieben und 1844 kapitelweise in der Zeitung Le Siècle veröffentlicht. Dumas' Roman basiert auf dem Buch Les Mémoires de d’Artagnan  eines gewissen Gatien de Courtilz de Sandras aus dem Jahr 1700. Die Handlung selbst spielt ab 1625.


Mit Fug und Recht kann man Die drei Musketiere als Klassiker bezeichnen. Besonders faszinierend ist, wie die Geschichte im Prinzip seit 1700, spätestens aber 1844 in der Welt ist und immer neu rezepiert wird, sie ist also extrem erfolgreich. Die zahlreichen Verfilmungen im 20. und 21. Jahrhundert setzen die Erfolgsstory im visuellen Medium fort.




Bei so einem Klassiker ist der Gefallensdruck natürlich hoch, man geht ganz anders an so ein Werk ran, kennt vielleicht die ein oder andere Verfilmung und die Story in ihren Grundzügen.

Deshalb war ich sehr froh, dass mir das Buch tatsächlich gefallen hat. Für mich trägt es typische Züge eines Jugend- und Abenteuerromans. Vor allem wegen der gewissen Unbekümmertheit, die in den Haltungen der Helden mitschwingt.

Es ist interessant, einen Historienroman zu lesen, der vor gut 200 Jahren geschrieben wurde und vor weiteren 200 Jahren spielt. Denn auch der Stil ist für uns ja schon historisch. Bemerkenswert fand ich hier die Hinweise, die Dumas oft gibt, um ein bestimmtes Verhalten seiner Protagonisten in einen Kontext zu setzen und dem zeitgenössischen Leser zu erklären, und ich bräuchte nun eigentlich eine Erklärung, warum die Erklärung für den damaligen Leser sinnvoll war. Beispiel - d'Artagnan nimmt vom König Geld an und Dumas kommentiert, das sei nicht Ausdruck leichter Moral, sondern damals einfach üblich gewesen. Und ich wunder mich, wieso jemand von dieser Geldannahme auf eine leichte Moral schließen könnte. So sind hier verschiedene Zeit-Ebenen in der Geschichte, was ich sehr spannend finde!

Man hätte übrigens unrecht, die Handlungen einer Epoche aus dem Gesichtspunkte einer anderen zu betrachten. Was man heute als eine Schmach für einen Mann von Welt halten würde, war in jener Zeit etwas ganz Einfaches und Natürliches. [S. 367]

Auf eine genauere Inhaltswiedergabe möchte ich bei diesem durchaus bekannten Stoff verzichten, ich denke, jeder kennt die Geschichte zumindest in den Grundzügen - und das reicht auch eigentlich aus.

Meine Ausgabe hat auch einige Illustrationen von den Musketieren, was ich sehr gut fand, so sieht man die klassische Musketier-Kluft, die von Dumas gar nicht groß beschrieben wird.

Illustrationen von Alphonse de Neuville und Fritz Bergen

Einiges wundert den heutigen Leser, ich hab es aber als "historisch" abgehakt, z.B. die seltsamen Ehen, wo Mann und Frau teilweise gar nicht viel miteinander zu tun haben. Dann hat jeder der vier Freunde einen Diener, wobei die Wohnungen oft sehr klein sind - wozu man da den Diener braucht, ist mir ein Rätsel. Von d'Artagnan bezieht sein Diener nach reiflicher Überlegung auch Prügel, damit er bei ihm bleibt. Das wirkt in der heutigen Zeit schon sehr befremdlich.

Auch interessant fand ich, dass die Männer fast schon über-romantisch und sehr gefühlig waren, die Frauen eher pragmatisch. Auch von den Widersachern ist die böseste eine Frau. Dumas spielt hier gekonnt mit dem Wiederspruch ihrer inneren Stärke und Härte zur körperlichen Unterlegenheit und Schwäche. Eine faszinierende Frau, auch wenn mir der große Fokus auf ihrer Person, vor allem die vielen Kapitel aus ihrer Sicht im zweiten Teil, etwas zu viel waren.

Der Aufbau der Geschichte, und wie dann Kleinigkeiten ineinanderlaufen, sich wieder entwirren um schließlich doch aufeinanderzutreffen, halte ich für grandios.

Verwirrung herrschte bei mir in Bezug auf das Münzsystem, da gab es Pistolen, Louis D'ors, Goldmünzen etc, die munter ineinander umgetauscht und umgerechnet wurden, deren Wert in Bezug aufeinander leider nicht einmal erklärt wurde. Es tut aber eigentlich auch nichts zur Sache.

Generell herrscht beim Leser aber der Eindruck vor, dass man gut unterhalten wird. Die vier Helden sind sympathisch und ich hab mit ihnen mitgefiebert. Spannung und Witz ist gleichermaßen in der Geschichte vertreten, das war für mich die größte Überraschung neben der guten Lesbarkeit dieses alten Romans. Gegen Ende hin wurde es dann unerwartet düster - dennoch schimmerte auch hier immer das heldenhafte und spannende hin.

Die Sprache, der ganze Erzählstil ist von einer gewissen Eleganz und trotz seines Alters gut lesbar und verständlich (zumindest in meiner Ausgabe).

Und hinter dieser lockeren Geschichte, als die man den Roman lesen kann, ist für den, der möchte, noch viel mehr an Ebenen zu entdecken, kluge Charakterisierungen beispielsweise, treffende Gesellschaftsszenen, interessante Dialoge. Der Roman bietet tatsächlich für jeden Leser etwas - ein Klassiker seit 200 Jahren und weiterhin empfehlenswert.

 

Lesen oder nicht?


Ein 200-Jahre-alter Historienroman, der mit einer gewissen Unbekümmertheit und sehr elegant die Abenteuer von vier Freunden - drei Musketieren und ein Anwärter - am französischen Hof Mitte des 17. Jahrhunderts erzählt. Kluge Charakterisierungen, Spannung und Witz sind Attribute, die den Roman zu Recht zu den Klassikern zählen lassen.

Gesamtbewertung: ⭐⭐⭐⭐


3 Zitate


Das Leben der vier jungen Leute war ein kameradschaftliches geworden. D'Artagnan, der keine Gewohnheit hatte, da er aus der Provinz kam und mitten in eine ihm ganz neue Welt geriet, nahm alsbald die Gewohnheit seiner Freunde an. [S. 93]

Nichts leiht der Zeit raschere Flügel, nichts kürzt den Weg so sehr ab als ein Gedanke, der alle Fähigkeiten des Denkens verdrängt. [S. 268]

In seinem Kopf mit den blitzenden Augen, mit der Adlernase, mit dem Brutuskinn lag ein Charakter unbeschreiblicher Größe und Anmuth; seine Hände, auf die er keine Sorgfalt verwendete, brachten Aramis zur Verzweiflung, der die seinigen mit Hülfe von sehr viel Mandelteig und wohlriechendem Oel pflegte; der Ton seiner Stimme war zugleich durchdringend und melodisch, und dabei hatte Athos, der sich immer klein und dunkel machte, etwas ganz Unerklärliches an sich, diese genaue Vertrautheit mit der Welt und den Gebräuchen der guten Gesellschaft, diese Gewohnheit an ein vornehmes Leben, die sich ganz unwillkürlich selbst in seinen geringsten Handlungen kundgab. [Zufallszitat, S. 286]

Weitere Meinungen

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4 Kommentare:

  1. Dieses Buch liebe ich auch! Einfach grandios! Ich schaue mir sogar auch sehr gerne die verschiedenen Verfilmungen an. Ein jede hat ihren eigenen Reiz. Irgendwo in meinen Regalen versteckt sich dieses Buch auch noch. Du hast mir gerade Lust gemacht, es mal wieder zu re-readen. Davor will ich aber unbedingt "Der Graf von Monte Christo" lesen, bzw. hören. Hab es nämlich schon auf meiner Hör-Merkliste. :-)
    GlG vom monerl

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    1. Hi monerl,
      der Graf von Monte Cristo hab ich mir auch besorgt, vielleicht schaffen wir ja, es gemeinsam zu lesen?

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  2. Guten Morgen Daniela!

    Ich hab ja als Kind / Jugendliche mal eine an das Alter angepasste Version der Musketiere gelesen und ich war damals so begeistert, dass ich lange Zeit die ganzen Mantel-und-Degen Filme geschaut hab :D

    Das Original hab ich leider nie gelesen, aber es steht weiter oben auf meiner will-ich-bald-lesen Liste :D

    Die Ausgabe, die du da gefunden hast, ist wirklich toll ♥

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hi Aleshanee,
      in Bücherschränken kann man wirklich manchmal Schätze finden, die Ausgabe ist super.

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