Samstag, 22. April 2017

Die einäugige Katze von Paula Fox


Buchvogel rezensiert 

Paula Fox: Die einäugige Katze

Ein Geheimnis und eine erste Lüge ziehen immer weitere nach sich, Ned leidet darunter.

Cover: Eine schwarze Katze läuft durch den Schnee auf ein Haus zu, Licht fällt auf den Schnee
kleine schwarze Katze

Roman, 192 Seiten
Verlag: OMNIBUS, Ausgabe 1998,
Erstausgabe 1984
Übersetzer: Inge M. Artl
Genre: Kinderbuch, Jugendroman,
empfohlen für 12 - 15 Jahre
ISBN: 3-570-20332-8
hier das Buch bei Amazon


Woher: Bücherschrank Ettlingen, das Cover gefiel mir

Erster Satz

Ned war das einzige Kind des Pfarrers.

Zusammenfassung

Neds Onkel Hilary schenkt ihm zu seinem 11. Geburtstag ein Luftgewehr. Sein Vater nimmt es ihm aber weg, er sei noch so jung dafür. Nur einmal möchte Ned mit dem Luftgewehr schießen und holt es nachts aus seinem Versteck. Er geht nach draußen. Bei der Scheune erscheint ein Schatten, auf den Ned schießt.
Dann taucht beim alten Mr. Scully, dem er nach der Schule zur Hand geht, eine einäugige Katze auf. Ned kämpft gegen seine Schuldgefühle. Er kann niemand erzählen, dass er es vielleicht war, der diese Katze angeschossen hat.
Dieses erste Geheimnis zieht Lügen und weitere Lügen nach sich, die Ned immer mehr belasten.

Persönlicher Eindruck

Die Geschichte wird aus der Sicht von Ned erzählt. Ned erlebt alterstypische Sachen und hat mit seiner ersten großen Lüge zu kämpfen. Wir erleben die Geschichte durch seine Augen und wissen, wie er über etwas denkt.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Sein Vater ist Pfarrer und sieht immer das Gute in einem Menschen. Seine Mutter ist schwer an rheumatischer Arthritis erkrankt, hat oft Schmerzen und sitzt die meiste Zeit im Rollstuhl. Dennoch haben Ned und sie ein inniges Verhältnis. Mir hat besonders der beiderseitige respekt- und liebevolle Umgang zwischen Ned und seinen Eltern gefallen.
Mir hat auch die Darstellung der Freundschaft zwischen Ned und Mr. Scully gut gefallen, die sich trotz des großen Altersunterschieds immer was zu erzählen haben und sich gemeinsam um die Katze kümmern.

Die Autorin verwendet eine altersangemessene, fast schon leichte Sprache. Mir gefielen besonders die ungewöhnlichen sprachlichen Metaphern, z.B. die Haushälterin Mrs. Scallop lauschte oft "und was immer sie dann hörte, machte sie satt wie ein riesiges Nachtmahl" [S. 27]. Oder: "Jetzt steckte das Gewehr wie ein Splitter in seinen Gedanken." [S. 85]

Die Geschichte ist atmosphärisch und die Autorin lässt sich viel Zeit mit der Geschichte. Sie war mir schon fast zu zäh, zumal nichts weltbewegendes passiert.

Lesen oder nicht?

Ein wirklich netter Kinderroman, den ich entgegen der Herstellerempfehlung eher für 11-13-jährige empfehlen würde. Der Roman bietet kreative und schöne sprachliche Metaphern, eine stimmige, atmosphärische Erzählstruktur sowie alterstypischn Fragen eines sympathischen Protagonisten, mit dem sich die Kinder gut identifizieren können.


3 Zitate

Er hatte es fertig gebracht, seine Mutter anzuschwindeln; ihm wurde ein bisschen übel dabei.
Eine Lüge war so ordentlich wie ein kleines Kästchen, das er aus ein paar dünnen Brettchen mit Nägeln und Leim bauen konnte. Aber die Wahrheit lag überall verstreut herum wie das Durcheinander oben auf dem Speicher. [...]
Seine Mutter sah ihn unverwandt an. Plötzlich begriff er, dass sie versuchte, in seinem Gesicht zu lesen, und empfand eine seltsame Erleichterung. Er hatte sie nicht restlos überzeugt; dadurch fühlte er sich sicherer, wenn er auch nicht wusste, warum.  [S. 53]


"Ja, ja ...", sagte Mr. Scully. Er hatte gar nicht gehört, was Ned gesagt hatte; Ned wusste das und es machte ihm nichts aus. Es kam in der letzten Zeit ziemlich oft vor und Ned hatte daraus den Schluß gezogen, dass er und Mr. Scully sich eben verschiedene Geschichten erzählten, so wie zwei Leute, die auf zwei verschiedenen Wegen wanderten. Hin und wieder kreuzten sich ihre Wege. [S. 82]

Ned betrachtete den alten Mann, der nun eine Schulter ein wenig bewegte. Mit jemanden zu sprechen, der ihm nicht antworten konnte, war das Seltsamste, was Ned je erlebt hatte. [Zufallszitat, S. 158]

Ich freue mich über eure Kommentare! Schreibt mir, wenn ihr Kinder im passenden Alter habt und das Buch gerne hättet - ich schicke es gerne zu. Falls es niemand möchte, geht es demnächst wieder in einen Bücherschrank oder wird anderweitig ausgesetzt (Aktion #bücherwaise).

Kommentare:

  1. Huhu!

    Das klingt nach einem sehr schönen Kinderbuch, die Zitate gefallen mir sprachlich sehr gut. Besonders diese Passage über die unterschiedlichen Geschichten, die sich der Junge und Mr. Scully erzählen - eine sehr berührende Herangehensweise an das Thema Altersdemenz!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,
      ganz meine Meinung - Kinderbücher dürfen leicht geschrieben werden, aber sprachlich schön sein, das merkt man schon als Kind, denke ich.
      Gruß
      Daniela

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  2. Hallo Dani,
    das hört sich toll an. Würde ich gerne ausleihen.
    Gruß
    Rossi

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    1. Hallo Rossi,
      ich brings dir am Samstag mit!
      Gruß, Dani

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  3. Das Buch kenne ich noch nicht aber es hört sich nach einen tollen Kinderbuch an für meinen Bruder :)
    Danke für den Buch Tipp :)

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    1. Hallo Shelly,
      das freut mich! Soll ich Rossi fragen, ob sie es dir zuschicken kann, wenn sie fertig ist?
      Grüße
      Daniela

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