Dienstag, 20. August 2019

[Rezension] Einfach Yeshi von Gabriela Kasperski

einfach Yeshi

Yeshis Eltern trennen sich und sie zieht mit ihrer Mutter vom Land in die Stadt. Es fällt ihr schwer, Freunde zu finden. Lian könnte ein Freund werden, aber Doro sicherlich nicht, die ständig eine Wollmütze trägt und sie Kackbohne nennt. Denn Yeshi wurde aus Äthiopien adoptiert, von ihrer Herzmama. Als Yeshi Flüchtlinge aus Eritrea kennenlernt mit einem kleinen Purzel von Jungen, geht sie spontan mit in die Flüchtlingsunterkunft. Das ist der Auftakt zu einem spannenden Abenteuer.


Eigene Meinung


Ein Kinderbuch fair zu bewerten ist nie leicht, vor allem eines, in dem die Autorin und ihre Adoptivtochter eigene Erlebnisse verarbeiten. Davor habe ich einen großen Respekt. Andererseits hat mir das Buch, alles in allem, nicht wirklich gefallen, obwohl es positive Aspekte hat. Gelesen war das Buch in einer Stunde, für eine ausgewogene Rezension braucht es in diesem Fall aber viel länger.

Fangen wir mit den positiven Aspekten an:

Yeshi erzählt die Geschichte aus der Ich-Form und das auch ziemlich konsequent. Beispielsweise ist nicht nachvollziehbar, warum die Eltern sich trennen und sie mit der Mama in die Stadt ziehen muss. Es ist alles traurig, ist aber so. Also wirklich komplette Kindersicht.

Die Bindung zwischen Yeshi und ihrer Herzmama fand ich sehr schön. Sie gehören einfach zusammen. Auch, dass Yeshi adoptierte wurde, findet sie nicht schlimm, sondern eher schön. An einer Stelle erklärt sie es einem anderen Kind, bzw. schleudert es ihm eher wütend entgegen.
"Ich bin abotiert."
"Abo-was?", fragte der eine.
"Sie meint adoptiert."
"Was ist adoptiert?", fragte der andere.
"Ihre Eltern sind nicht ihre richtigen Eltern."
"Doch", explodierte ich. "Meine Mama ist meine Herzmama und mein Papa ist mein Herzpapa. Die haben mich ausgesucht. Deine mussten dich einfach nehmen, du Blödmann!"

Sonntag, 18. August 2019

[Rezension] Der Mann, der auf Bäume klettert: Einblicke in einen verborgenen Kosmos zwischen Himmel und Erde von James Aldred



James Aldred ist ein echter Naturbursche. Seit seiner Jugend klettert er gerne auf Bäume und hat das zu seinem Beruf gemacht. Als Kameramann oder Produktionsassistent bereitet er Klettertouren vor oder klettert selber.
In seinem Buch, das Abenteuerbuch und Naturmemoire in einem ist, gibt er Einblicke in einen verborgenen grünen Kosmos, der in dieser Art noch nie zuvor beschrieben wurde.

das Buch vor einem Ficus
Der Autor berichtet faszinierendes, ich wäre am Liebsten mitgeklettert. Er berichtet, wie er mit David Attenbourough drehte, wie er ein Harpyien-Küken aus nächster Nähe sah. Wie er mit den Korowai auf Papua ein Baumhaus in einem Eisenholzbaum baute. Er erzählt von den Expeditionen in den Regenwald von Borneo und wie er dort Flügelfruchtbaum und Mengarisbaum bestieg. Wie er gestochen und gepiekst wurde von Ameisen, Insekten und wilden Bienen; die ihm bei einem konzertierten Angriff sogar in die Nasenlöcher und Ohren krochen ... autsch

In der Büchermitte sind einige Farbfotos, die ausgewählte Expeditionen verdeutlichen und zu Beginn jedes Kapitel gibt es zumindest ein Schwarz-Weiß-Foto vom Baum.

Der Autor berichtet auch von der Friedlichkeit der Welt und wie er seine Seelenruhe beim Baumklettern findet. Das glaube ich ihm sofort.

Montag, 12. August 2019

[Rezension] Mehr als die Erinnerung von Melanie Metzenthin

Print-Ausgabe


Der Roman spielt in den 1920er Jahren auf dem Gut Mohlenberg. Das ist eine Einrichtung für geistig behinderte und psychisch kranke Menschen. Oder, wie es im damaligen Sprachgebrauch heißt: Irre und Blöde. Die Auffassung, wie man mit geistig Behinderten umgehen soll, geht damals auseinander. Der Ansatz von Gut Mohlenberg ist ein zutiefst humaner. Die Menschen sollen befähigt werden, Dinge selbst oder unter liebevoller Anleitung zu tun. So arbeiten die Bewohner des Gutes z.B. als Pferdepfleger oder in der Wäscherei. Darunter auch Bernhard von Aalen, der Ehemann der Fast-Medizinerin Friederike von Aalen. Eine Explosion verletzte Bernhard schwer, er ist geistig auf dem Stand eines Kindes, ist vergeßlich geworden und oft hat er keine Worte, um sich auszudrücken.

Ein anderer Ansatz wird im Buch auch beschrieben; er sieht die Menschen nur als Fälle und Symptome und es gibt ruppige Methoden wie die Kälteschocktherapie. Selbstredend haben weder die Patienten noch die Angehörigen ein Mitsprache- oder Auskunftsrecht.

Montag, 5. August 2019

[Rezension] Afghanistans verborgene Töchter: Wenn Mädchen als Söhne aufwachsen von Jenny Nordberg

Buchvogel hebt das Buch hoch
Buchvogel ist froh,
eine Frau in Deutschland zu sein

Das patriachale Gesellschaftssytem in Afghanistan bietet Frauen und Mädchen keine Freiheit und keine Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Zwangsverheiratung ist an der Tagesordnung und sie haben weniger gesetzliche Rechte.

Frauen und Mädchen sind auch im Alltag kaum sichtbar. Aus wirtschaftlichen, magischen oder gesellschaftszwängenden Gründen heraus sind jedoch einige der Jungen auf den Straßen eigentlich Mädchen. Sie werden als Jungen aufgezogen und genießen viele Freiheiten; sie dürfen laut sein, rennen, toben, spielen und anderen in die Augen sehen.


Mein hauptsächliches Gefühl beim Lesen war ein ungläubiges "Aber... das geht doch nicht". Es geht nicht, dass Männer ihre Frauen verprügeln dürfen und kein Gericht und niemand sich darum schert. Dass 14-jährige verheiratet werden. Dass eine Frau ein Festmahl bekommt, wenn sie einen Sohn zur Welt bringt, aber unter Umständen Schläge, wenn es ein Mädchen wird. Die Frau kann nämlich durch pures Wollen das Geschlecht des Kindes beeinflußen und wenn es ein Mädchen wird, hat sie sich nicht fest genug einen Jungen gewünscht, es ist also ihre Schuld- sagt die afghanische Gesellschaft.

Freitag, 2. August 2019

[Kunst&Kultur] Beethoven: Sinfonien & Ouvertüren von Anima Eterna


Beethoven von Anima Eterna
Bratsche und Beethoven



Auf insgesamt sechs CDs findet der Hörer hier alle Sinfonien von Beethoven und einige seiner Ouvertüren. Nun sind Einspielungen von Beethoven wie Sand am Meer zu finden (zu Recht), dieses hier aber sticht aus der Masse hervor, weshalb ich es euch vorstellen möchte.


Das Orchester und sein Dirigent haben sich Beethovens Werk mit der Frage genähert, wie es original klang. Sie spielen auf Originalinstrumenten und in Originalbesetzung, und die Interpretation ist viel kraftvoller und auch etwas schneller.








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