Samstag, 22. September 2018

[Reisebericht] Schwedisch-Lappland

Schwedisch-Lappland, das war der Urlaub meines Lebens, die Landschaft meines Lebens. Diese Landschaft, die hat irgendetwas in mir angesprochen. Selten hab ich mich mental und körperlich so wohl gefühlt.

Geographie


Lappland ist eine Landschaft, keine Provinz oder Verwaltungsgrenze. Lappland erstreckt sich über das nördliche Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Es ist das alte Kernsiedlungsgebiet der Lappen oder Samen, die aber nie einen eigenen Nationalstaat besaßen.

Schwedisch-Lappland ist eine historische Provinz im Norden von Schweden. Sie erstreckt sich über den Westteil der heutigen Provinzen Västerbotten und Norbotten.

Atlas Almqvist und Wiksells
Lage von Schwedisch-Lappland



Unser Urlaubsgebiet lag in der Provinz Västerbotten, zum Großteil waren wir auf dem Gebiet der Gemeinde (kommun) Vilhelmina unterwegs. Vilhelmina ist eine sehr langgezogene Gemeinde, sie führt 160 km zunächst am Ångermanälv und dann am Kultsjö entlang. Die Gemeinde hat nicht ganz 7000 Einwohner, von denen etwa die Hälfte im Hauptort Vilhelmina leben.

Schule
Schule in Vilhelmina

Lapp-Lisa
Statue von Lapp-Lisa in Vilhelmina
Auch wenn Vilhelmina aus deutscher Sicht nur eine Provinzstadt sein mag, sie bietet freies Wifi für alle ihre Gemeinden! Das ist doch mal vorbildlich.


Atlas
Saxnäs gehört zur Vilhelmina kommun, liegt im Västerbottens Län, im Süden der historischen Provinz Lappland


Unsere Unterkunft war in Saxnäs. Der Ort liegt sehr malerisch auf einer Landzunge zwischen dem Kultsjön und einem kleineren Seen. Die Fjälls sind in unmittelbarer Nähe. Für uns war Saxnäs der perfekte Ausgangsort für Fjällwanderungen. Saxnäs ist für lappländische Verhältnisse ein mittelgroßer Ort. Etwa 150 Einwohner, eine Vorschule, eine Grundschule, ein Tagungshotel, ein Museum, Landhandel und Tankstelle sowie eine Kirche.
Landhandel
Landhandel und Tankstelle in Saxnäs "City"


Unterkunft


Wir übernachteten in Saxnäs auf dem Campingplatz der Marsfjäll Mountain Lodge. Die Marsfjäll Mountain Lodge bietet Stellplätze für Caravan- und Zeltcamper, Hotelzimmer und ein Wanderheim. Am Wochenende hat auch das Restaurant geöffnet.

Mountain Lodge
Marsfjäll Mountain Lodge - Rezeption, Hotel und Restaurant

Ende August, als wir kamen, war schon Nebensaison und es hatte zwar fast immer Gäste, aber nicht sehr viele. Meist eine Handvoll Camper sowie einige Hotelgäste, aber eher gegen Wochenende. Die Stellplätze waren mit Stromanschluß, Wasser musste man vom Anschluß am Hauptgebäude holen. Der Boden war geschottert und dank der Großzügigkeit der Anlage konnte man gut rangieren.

Stellplätze
ein Teil der Stellplätze für Wohnwagen- und Wohnmobil-Camper, mit Stromanschluß

Für Camper gab es eine Küche, in der man abspülen, allerdings nicht kochen konnte. Gewöhnungsbedürftig waren die sanitären Anlagen. Ein großer Vor- und Umkleideraum und dann ein großer Raum mit Toilette, einer Sauna und zwei Duschen direkt nebeneinander, die durch eine Glasscheibe getrennt waren. Die Schweden waren recht locker und wenn am Wochenende Hochbetrieb war, haben wir öfter saunierende Schweden dort getroffen, die den Raum nicht abschlossen. Aber bis zum Schluß war uns unklar, ob man nun alleine in den großen Raum sollte mit Abschließen oder die Tür nicht abschließen, damit noch andere anfangen konnten zu saunieren/duschen. Wir haben uns dann der allgemeinen Lockerheit dort angeschloßen und den Raum offengelassen.

Sanitäranlage
Sanitäre Anlagen in der Marsfjäll Mountain Lodge


Dennoch kann ich die Unterkunft nur empfehlen. Es ist eine perfekte Ausgangslage für Wanderungen, im Ort kann man tanken und einkaufen und die Angestellten sind super freundlich und hilfsbereit. Wir haben uns total wohlgefühlt dort! Besonders gefiel mir auch die Ungezwungenheit. Als wir ankamen, hatte die Rezeption zu, aber wir haben eine Telefonnummer angerufen, wurde telefonisch herzlich begrüßt und bekamen per SMS den Code für die sanitären Anlagen. Wir haben uns einfach einen Stellplatz ausgesucht und bezahlt, als die Rezeption wieder besetzt war. Informationen zur Unterkunft findet ihr hier.

Dani mit Shirt
schickes T-Shirt mit dem Logo der Marsfjäll Mountain Lodge


Reisezeit


Ende August bis Mitte September ist die ideale Reisezeit in das Gebiet. Die Hauptsaison ist vorbei (die meisten Touristen kommen im Juli bis Mitte August) und es hat keine Mücken mehr aber noch keinen Schnee.

Durchschnittlich war es tagsüber 10 bis 15 Grad warm, also ideal für Wanderungen. Wir hatten an einem Tag sogar 25 Grad und an zwei Tagen nur 6 Grad. So richtig regnerisch war es nie, meistens hatten wir ganz gutes Wetter, bewölkt, aber auch sonnig, hatten richtig Glück mit dem Wetter.

Als wir kamen, war Spätsommer, der dann relativ schnell in einen farbenprächtigen Herbst umgeschlagen ist. Und aktuell fragen sich die Einwohner schon, wann der erste Schnee kommt.



Aktivitäten


Schwedisch-Lappland ist eine Gegend für Menschen, die gerne wandern. Dann ist man hier genau richtig. Auch Fotografen kommen auf ihre Kosten. Zum Wandern muss man sagen, dass die meisten Wege nicht so ausgebaut sind wie in Deutschland. Meistens ist es gut markiert, z.B. mit Ringen an Bäumen oder Steinmännchen, aber die Wege sind zu 95% nicht geschottert oder planiert, stattdessen stolpert man über Wurzeln und Steine. Man muss immer präsent sein und auf den Boden schauen, ein gemütliches Flanieren ist nicht möglich. Wege über Sumpfgebiet sind meistens gut mit Bohlenwegen versehen.

Wanderweg
typischer Wanderweg in Lappland


Auch das Wandern über unmarkiertes Gebiet ist üblich, z.B. führt auf den Satsfjäll kein markierter Pfad. Er war aber kaum zu verfehlen, da er über der Baumgrenze steht. Für das Wandern über feuchten Grund empfehlen sich Wandergummistiefel, wenngleich ich die nach einigen Wanderungen unbequem fand und die normalen Wanderstiefel bevorzugte.

Die Bevölkerung mag jagen, fischen und im Winter Skooter, also Schneemobil, fahren. Auch Pilz- und Beerensammeln steht hoch im Kurs, es gab unheimlich viele Pilze und Heidelbeeren im Wald.

Pilze
Pilze im borealen Nadelwald


Radfahren ist schwierig. Entweder Mountainbiking über die Holperstrecken oder Radfahren entlang der Asphaltstraße. Radwege oder Spazierwege wie bei uns im Schwarzwald sucht man vergebens. Da es soviele Seen hat, gibt es auch viele Boote an den Stränden und Badeplätze für die wenigen Tage im Jahr, an denen man baden kann.


Boote und See
Boote am Bergsjön

Wir machten vor allem Wanderungen, von einer Einstunden-Tour auf dem Middagskullen (Lule) hinter Saxnäs bis zur 10-Stunden-Tour auf dem Marsfjäll, 1590 Meter hoch. Die Wanderungen waren großartig und ich hab momentan das große Glück, körperlich gut drauf zu sein und es einfach nur genossen.

Daneben haben wir das Malerheim in Saxnäs besichtigt, Vilhelmina besucht und die Siedlerhütte in Marsliden (dazu gibt es den separaten Post "Rezension plus - I Marsfjällets Skugga").


Tiere


Ich hatte einige berührende Tierbeobachtungen, vor allem Vögel und Rentiere. Lappland ist nicht so dicht bevölkert, so dass die Tiere auch Platz haben, und Beobachtungen doch möglich waren.

Kraniche
Kraniche, wahrscheinlich in der Balz
 Die Rentiere sind natürlich keine Wildtiere, sondern gehören irgendjemand, laufen aber frei über die Fjälls. Fragt mich nicht, wie die Rentierzüchter die einfangen können, ich hab keine Ahnung.

Rentiere
Immer wieder Rentiere



Sprache und Menschen


Wir lernen Schwedisch und sind mittlerweile auf einem guten B-Niveau. Wir konnten uns problemlos mit allen Einheimischen unterhalten, auch am Telefon, und dabei auch durchaus komplexe Themen besprechen, bspw. haben wir über die Unterschiede in der Geographie Deutschland-Schweden, den Winter in Lappland, historische Besiedlung oder Verkehrsprobleme unterhalten. Jeder hat uns auf Schwedisch geantwortet, hat uns Komplimente gemacht, weil wir Schwedisch so gut sprechen oder wollte wissen, woher wir Schwedisch können. Das hat richtig Spaß gemacht und ich hab gemerkt, dass man nochmal ganz anders mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt kommt, wenn man die Landessprache gut kann!

In dieser Gegend sprechen die Schweden nicht mit diesem Singsang, es hört sich mehr an wie Norwegisch, mit einer sehr klaren Aussprache, die uns gut gefallen hat.

Das Gebiet ist zweisprachig, Südsamisch ist die Sprache der Samen dort. Da der Handel früher (und heute) sich entlang der Täler orientiert hat, hat das Südsamische mehr Ähnlichkeit mit dem Samisch, das auf der norwegischen Seite gesprochen wird, wie mit dem Nordsamischen.

Saxnäs-Ortsschild
Saxnäs heißt auf Samisch "Saadteskenjuana"



Landschaft


Die Landschaft hat mich, wie schon erwähnt, total angesprochen. Die Offenheit und Weite der Landschaft, diese Großartigkeit - und gleichzeitig hatte es etwas Beruhigendes.

Wir hatten Wald, Seen, Berge, Sumpf. Farben in grau, grün, rot, gelb. Mitte September geht in diesem Gebiet nämlich schon der Herbst los, wie erwähnt. Der boreale Nadelwald besteht aus kleinen Birken und dünnen Fichten, mit einer Bodenschicht aus Flechten, Moosen, Riedgras, Heidelbeeren.

Forstwirtschaft übrigens heißt in Lappland, wie im Rest Schwedens, Kahlschlag. Die Bäume sind forstwirtschaftlich minderwertig, werden nur zu Zellstoff verarbeitet. Dennoch ist es für mich traurig, die Kahlschläge anzusehen. Glück, dass es viel Wald gibt, weil Lappland nicht so dicht bevölkert ist wie Deutschland, das macht es etwas wett. Wie ich überhaupt diese Menschenleere großartig fand.

Nachfolgend einfach einige Impressionen, als Abschluß dieses Reiseberichtes:


Fjäll
Blick in die Fjälls von Saxnäs aus

Wasserfall
Trappstegsforsen - der Treppenstufenwasserfall

Weg im Wald
typische Schotter-Landstraße im borealen Nadelwald

Sumpf
Njakafjäll

Satssjön
auf dem Weg zum Satssjön

Satsfjäll
der Satsfjäll

Tundra
in der Tundra, über der Baumgrenze

Fatmomakke
Kirchenstadt Fatmomakke

Marsfjäll
auf dem Gipfel des Marsfjäll

Lappland
der Herbst taucht Lappland in eine besondere Stimmung



Wenn ihr auch vorhabt, Urlaub in Lappland zu machen, dürft ihr mich gerne für weitere Tipps und Informationen kontaktieren unter daniela-walch @ live.com. 

Kommentare:

  1. Ohhh, wie schön! Ich will auch unbedingt mal nach Finnland, Schweden, Norwegen fahren! Du hast mir mit deinen Bildern richtig Lust auf Urlaub gemacht :D

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    1. Hallo Mila,
      das freut mich total! Ich krieg selber wieder Lust auf Lappland, wenn ich die Bilder ansehe :)

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  2. Hallo Daniela,

    danke für diesen schönen Urlaubsbericht, mir gefallen die wunderbaren Fotos und die Weite der Landschaft ganz toll. "Borealer Nadelwald", da hat es bei mir sofort klick gemacht und ich habe mich an meinen Erdkundeunterricht erinnert.

    Da habt ihr ja eine weite Reise unternommen und viele schöne Eindrücke gewonnen.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    Antworten
    1. Hi Barbara,
      ohja, eine weite Reise war es, vor allem, weil wir im Süden Deutschlands wohnen. Vier Tage Anreise, das ist ein Wort. Aber es war es wert!

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  3. Hey Daniela,

    das ist ein wundervoller Reisebericht geworden, der selbst mir Lust auf Schweden gemacht hat! Auch wenn ich wärmere Temperaturen bevorzuge, wandere ich sehr gerne. Diese Landschaft ist wirlich ein Traum zum Wandern. Kann sehr gut verstehen, dass ihr euch dort sehr wohl gefühlt habt. Leben wöllt ich da net, aber hin und wieder eine Auszeit, das wär was für mich.
    Herzlichen Dank, dass du all die Erlebnisse mit uns geteilt hast!

    GlG, monerl

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    Antworten
    1. Ja, das ist eine Traumlandschaft, für Auszeiten, zum Wandern, zum Seele auftanken...

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  4. Liebe Daniela,

    danke für den tollen Bericht. Man spürt Deine Begeisterung und Freude deutlich und ich habe mich eben einfach enorm für Dich gefreut!! Ich bin ja auch ein großer Schweden-Fan, obwohl ich noch nie dort war.

    Ich dachte die ganze Zeit, Ihr fahrt die ganze Zeit über mit dem Wohnmobil. Nun verstehe ich auch, warum Du auf meine Frage, wo Ihr gerade seid, den gleichen Namen wie zu Anfang geschrieben hast. :)))

    Ich liebe das Foto von dem Wanderweg ganz oben.
    Wie groß die Kraniche sind! Seid Ihr auch mal Boot gefahren?
    Was hat es mit der Kirchenstadt auf sich?

    Wirklich ein Traum! Ich hoffe, Du kannst Dir das Gefühl lange bewahren!

    Liebe Grüße
    Petrissa

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