Sonntag, 8. April 2018

[Rezension] Die Macht der Geographie von Tim Marshall

Macht der Geographie auf Landkarten
Sehr aufschlußreiches Sachbuch

Sachbuch, 328 Seiten
dtv, Juni 2017
engl. Original: Prisoners of Geography
Übersetzung: Birgit Brandau
ISBN: 978-3423349178
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Woher: Aufmerksam geworden durch die Rezension auf Hundertmorgen-wald

Erster Satz


Wladimir Putin bezeichnet sich als religiösen Menschen, als engagiertes Mitglied der Russisch-Orthodoxen Kirche. Es könnte also gut sein, dass er, wenn er abends zu Bett geht, seine. Gebete spricht und Gott fragt: »Warum hast du nicht ein paar Berge in die Ukraine gestellt?«


Zusammenfassung


Alle Regierungen unterliegen den Zwängen der Geographie. Berge und Ebenen, Wasser, Sand und Eis setzen ihrem Entscheidungsspielraum Grenzen.

Ein Sachbuch, dass Geographie und Historik erläutert von Russland, China, USA, Westeuropa, Afrika, Naher Osten, Indien u. Pakistan, Korea u. Japan, Lateinamerika und die Arktis.



Persönlicher Eindruck


Die Macht der Geographie ist ein Sachbuch in 10 Kapiteln, das ich voller Interesse gelesen habe. Tim Marshall erläutert die Befindlichkeiten der Länder, die sich aus der Geographie ergeben. Geschichte und Geographie sind eng miteinander verknüpft und beeinflußen die heutige Haltung der Länder.

Tim Marshall hat zwar nicht das Rad neu erfunden, aber er schreibt sehr logisch und stringent, führt viele Einzelheiten zusammen und erklärt die Länder gut. Es gab sehr viele Aha-Momente. So hab ich verstanden, warum Russland unbedingt die Krim anektieren musste. Oder welche Konflikte im nahen Osten und in Korea so schwellen. Warum China niemals Tibet "entlassen" wird, zu wichtig ist es als Puffer zu Indien und der Wasserversorgung Chinas. Afrika und Lateinamerika, hier wird dargelegt, wieso es diese Kontinente so schwer haben, wirtschaftlich Erfolg zu haben. Ein Stichwort sind hier die flachen Küsten von Afrika und die fehlende Infrastruktur innerhalb der beiden Kontinente.

Wenn ich nun die Nachrichten sehe, höre oder lese, ist das für mich viel interessanter, weil ich es an mein neues Wissen anknüpfen kann. Was ich mitnehme ist auch die Erkenntnis, wie sehr die Politik eines Landes von seiner Geographie bestimmt wird! Faszinierend!

Ein Sachbuch, das mir neues Verständnis geschenkt hat, mir eine neue Sicht gegeben und Wissen vermittelt hat.

Mein Kritikpunkt sind die abgedruckten Karten. Die Karten sind für den Text essentiell. Leider ist  alles in verschiedenen Blautönen gehalten und mir war oft nicht klar, wo Grenzlinien, umstrittene Grenzlinien oder Flüße verlaufen. Ein Zweifarbendruck, wo bspw. die Grenzlinien in einer anderen Farbe gewesen wäre, hätte das Buch noch deutlich aufgewertet. Denn im Text wird ja oft Bezug auf die Karte genommen, aber nicht immer hab ich das auf der Karte nachvollziehen können.

Innenansicht vom Buch zeigt eine Karte von Russland
Karte von Russland


Auch beim Kapitel über Lateinamerika war die Karte ein Problem. Denn auch Länder Mittelamerikas wurden (kurz) besprochen, Mexiko und Belize z.B. Aber auf der Karte zu Beginn waren sie nicht drauf. Erst einige Seiten später fand sich dann eine kleinere Karte von Mittelamerika - das konnte ich ja nun aber nicht ahnen, dass noch eine Karte folgt.





Lesen oder nicht?


Wer sich ein bisschen für Politik, Landeskunde, Geschichte oder Geographie interessiert, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

Gesamtbewertung: 🌞🌞🌞🌞


3 Zitate


Doch zurück ins Jahr 1848. Die Europäer waren weg, dem Mississippibecken stand kein Angriff mehr bevor, der Pazifik war erreicht und es war abzusehen, dass die übrig gebliebenen indianischen Völker unterworfen werden würden: Nichts bedrohte die USA. [Zufallszitat, S. 87]

Wenn die Führer der Welt auch nur offen darüber sprechen, dass sie sich auf den Tag vorbereiten, an dem Nordkorea zusammenbricht, riskieren sie, die Ankunft dieses Tages zu beschleunigen. Und da niemand einen Plan dafür hat, ist man am besten still. Eine Zwickmühle. [S. 233]

Panama und die USA sind befreundet - in der Tat so gute Freunde, dass Venezuela Panama 2014 als "US-Lakai" bezeichnete und kurzfristig die Verbindungen abbrach. Das Wissen, dass die Vereinigten Staaten der wichtigste Handelspartner von Venezuela sind ... schwächte den Effekt dieser Rhetorik ... allerdings ab. [S. 266-267]



Weitere Meinungen


Kommentare:

  1. Liebe Daniela,

    ich bin leider noch nicht dazu gekommen, das Buch zu lesen. Aber es steht im Mai auf meinem Leseplan. Ich habe es ja als eBook, doch da ist das Blätter zu den Karten auch nicht so praktisch und so habe ich es nun doch auch noch als Print bestellt und freue mich schon sehr darauf!

    Es wird immer wichtiger, die Politik zu verstehen, um an dem Weltgeschehen nicht ganz zu verzweifeln. Traurig, aber wahr.

    Sehr schön, dass du das Buch auch sehr gemocht hast! Petrissas Begeisterung hatte mich ursprünglich auch sehr angesteckt.

    GlG und einen guten Start in die neue Woche wünsche ich dir.
    GlG, monerl

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    1. Hi monerl,
      ja, eines der Bücher, dass als eBook nicht so richtig fetzt. Ich bin ja ein großer eBook-Fan, aber für alles, worin man vor- und zurückblättern möchte - Kochbücher, Sachbücher und Gedichtbände z.B.. Kannst gerne deine spontanen Eindrücke, wenn du es liest, mit mir oder uns teilen :). Ich hab das auch gemacht, nur im "Real Life"

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  2. Liebe Daniela,

    ich war ja so gespannt, wie Du es finden würdest und Deine Rezi freut mich sehr!!

    Diese Aha Momente sind wircklich hammer!Und man fragt sich: Warum reden die Medien darüber nicht?!

    Wie ich das mit den Karten empfand, weiß ich gar nicht mehr.

    Ich werde Dich natürlich auch gleich verlinken. Und teilen und.... Die Welt soll das Buch lesen! :)

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      vielen Dank für die Verlinkung!
      Ja, das ist ein wichtiges Buch, das viel erklärt.
      Ein paar Sachen haben mir gefehlt, z.B. den Irland-Nordirland-Konflikt oder die vergifteten Böden in China. Auf die Schwierigkeit in Brasilien ging er ja ein, wie erschreckend, dass der Regenwald abgeholzt wird und den Bauern bringt es langfristig gar nichts. Vor einigen Jahren war mal eine Abgabe der Industrieländer im Gespräch, eine Art Stillhalteprämie für Brasilien, das es seinen Regenwald in Ruhe lässt. Natürlich ist da nichts draus geworden :(

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