Sonntag, 25. Februar 2018

[Rezension] Eonvár - Zwischen den Welten von Kat Rupin

Cover von Eonvar
Mitreißender Fantasyroman aus dem Zeilengold-Verlag

Eonvár - Zwischen den Welten von Kat Rupin
Roman, 330 Seiten
Zeilengold, Oktober 2017
Genre: Fantasy
ISBN:  978-3946955047
Affiliate Link zu Amazon

Woher: Rezensionsexemplar, ich danke herzlich der Agentur Spread&Read, dem Verlag Zeilengold und der Autorin


Erster Satz

Ihr Tag begann in einem Traum.

Zusammenfassung


Elisa ist magisch begabt, doch schon 23, als sie dessen gewahr wird. Sie hat ihr Leben auf der Erde - ihre beste Freundin Lucy samt kleinem Sohn, ein Psychologiestudium, Aussicht auf einen Praktikumsplatz und einen guten Job.
Doch in Eonvár gibt es Gabriel, ihren einst verlorenen Freund aus Kindertagen, es gibt die Magie und wundersame Plätze und sie braucht den Rollstuhl nicht.
Eine Entscheidung wird von ihr erwartet, doch sie fällt ihr schwer und sie versucht den schwierigen Spagat zwischen zwei Welten.



Persönlicher Eindruck



Handlung


Als sich die Magie in Elisa zeigt, ist sie schon 23 und damit deutlich älter als die Kinder, die sonst Magiebegabung zeigen. Deshalb wird auch ihr alter Kinderfreund Gabriel geschickt, um sie mit der Magie vertraut zu machen. Er verschwand mit 8 Jahren. Wie Elisa nun weiß, in die Schwesterwelt zur Erde, Eonvár. Hier gibt es ein bisschen Technik und viel Magie. Eine fantastische Welt, in der Elisa ihren Rollstuhl zu ihrem großen Erstaunen nicht braucht.

Die Erklärung, dass der Rollstuhl in einer Welt der Magie und Imagination nicht nötig ist, fand ich noch glaubhaft. Aber das Elisa sofort ohne Probleme laufen kann, nicht. Nach 13 Jahren im Rollstuhl sind die Beinmuskeln verkümmert, zumindest Anfangsprobleme hätte Elisa haben müssen.

Elisa lernt die Magie erst im Erwachsenenalter lernen, das unterscheidet diesen Roman von z.B. Harry Potter und anderen Büchern, in denen Kinder oder Jugendliche ihre Magie entdecken. Ich fand es toll, Elisa stellt sich aufgrund ihres Alters andere Fragen. Obgleich ihre Art, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, auch sehr jugendlich anmutet.

Auch überzeugend fand ich, dass der Rollstuhl zwar thematisiert wird, doch nicht als Hindernis. Elisa nimmt ihn als Hilfsmittel wahr. Auch, dass sie ihn in Eonvár braucht und auf der Erde nicht, nimmt sie so hin. Ihre Gedanken und Gefühlen unterscheiden sich nicht, ob sie im Rollstuhl sitzt oder nicht. Dennoch spielt der Rollstuhl, genauer gesagt die Tatsache, dass sie auf ihn angewiesen ist, noch eine Rolle in der Geschichte.


Der Grundkonflikt ist, dass Elisa sich für eine Welt entscheiden soll und muss, sie es aber nicht kann. Sie pendelt zwischen beiden Welten und das bringt große Probleme mit sich. Diese verzweifelte Zerrisenheit war so spürbar, dass es mir manchmal schwerfiel, weiterzulesen, weil ich so mit Elisa gelitten habe. Also, großartig geschrieben.

Klasse beschrieben fand ich auch die verschiedenen Orte auf Eonvár, manche so großartig, manche so engstirnig. Der Wald der lebenden Bäume ist ein absoluter Traumort!

Dass im Verlauf der Geschichte die Geschehnisse mehr und mehr düster werden, die Wirrungen Eonvárs immer verstrickter, in einer Mischung aus fantastischen Begebenheiten und schon fast schnöder Politik, das hat mich bei diesem vordergründig leichten Stoff positiv überrascht. In diesem Fantasy-Abenteuer steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick meinen möchte.

Das Ende hatte ich so nicht erwartet. Mir gefiel, dass es voll von harten Entscheidungen war, die Protagonisten haben es sich nicht leicht gemacht.


Charaktere


Die Hauptcharaktere sind Elisa und Gabriel. Sie war ein wildes, ungestümes Mädchen und ist immer noch impulsiv, sturrköpfig und rebellisch. Er war ein schüchterner, zurückhaltender Junge und ist immer noch sanft und nachgiebig. Diese Mischung ist sehr interessant, vor allem, weil Gabriel mit seiner sanften Art Elisa gut Paroli bieten kann. Die Liebesgeschichte fast unausweichlich, aber stimmig.

Tatsächlich hat mich Elisas oft unüberlegte Art auch ein bisschen genervt. Sie denkt oft kein bisscheen über die Konsequenzen nach, ich hätte sie oft einfach nur schütteln können.

Matt ist Gabriels bester Freund und kommt noch sehr kindlich rüber. Er ist fast schon eifersüchtig auf Elisa, die ihm seinen besten Freund "wegnimmt".
 Lucy ist Elisas beste Freundin,  etwas verrückt, mit einem Sohn und verheiratet mit einer sehr bodenständigen Frau. Lucy ist es, die Elisa an die Erde bindet, ihre Freundschaft ist sehr tief. Beide Freunde mochte ich sehr gerne.

Mit der Schulleiterin Simone Baudin und dem Bürgermeister Dawid Nowak gibt es zudem zwei sehr ambivalente Charaktere, die zeigen, dass Handlung und Intention manchmal arg auseinanderklaffen können.


Sprache und Stil


Der Fantasy-Roman liest sich flüßig und leicht. Erzählt wird aus der Sicht von Elisa. Nur eine Passage recht am Schluß gibt es, die aus der Sicht von Gabriel erzählt wird. Ein kleiner Kniff verhindert hier den Bruch der Erzählperspektive: Elisa erlebt seine Sicht in einer Art Vision.

 

Lesen oder nicht?


Ein mitreißendes Fantasy-Abenteuer in einer fantastischen Schwesterwelt mit fantastischen und teils düsteren Erlebnissen und politischer Machtkämpfe. Eine Protagonistin, die sich weder von ihrem Rollstuhl noch von den Mächtigen auf Eonvár beeindrucken oder aufhalten lässt, wild, stur und von großer Energie erfüllt; zerrissen zwischen der Erde und Eonvár. Ein Kampf, der schließlich keinen unberührt lässt. Und ein spannendes Ende mit überrachenden Entscheidungen.

Gesamtbewertung


Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Halber Stern
Leerer Stern

Ein großartiges Buch, dass mich gefesselt hat, aber dessen Intensität oft für mich zu viel wurde.

3 Zitate


Elisa tanzte durch das Zimmer. Im Radio lief Electroswing und sie hatte sich mitreißen lassen. Auf einem Rad balancierend, wirbelte sie im Kreis, wippte vor und zurück. Ihr ganzer Oberkörper war in Bewegung, schlängelte sich im Takt. [Pos. 205]

Ihr gefielen die Aufregung und die Wunder Eonvárs, aber mit jeder Minute, die verstrich, sehnte sie sich mehr nach dem, was sie zurückgelassen hatte. Nach den Menschen, die sie im Stich gelassen hatte. Eonvár war ein wunderschöner Traum, doch Elisa ahnte, dass sie irgendwann aufwachen musste.

»Du Spinner!« Lachend boxte sie ihm gegen den Oberarm. Der letzte Rest des Streites schwebte noch zwischen ihnen, aber sie schob ihn zur Seite und küsste Gabriel stürmisch.
Seufzend erwiderte er den Kuss. Seine Hände schlossen sich um ihre Taille, um sie an sich zu pressen, und seine weichen Lippen vertrieben jeden Gedanken aus ihrem Kopf. [Zufallszitat, Pos. 2047]


Weitere Meinungen

Oft muss ich ja kämpfen, weitere Rezensionen zu finden; das ist diesmal anders. Die Geschichte ist gerade in aller Munde, hier findet ihr also nun viele weitere Meinungen: 
  • Literaturmonster: Großartige Rezension! "Die Personen standen dem Verlauf ihrer eigenen Geschichte im Weg. Was dazu führte, dass ich für das erste Drittel des Buches einen Monat brauchte und ehrlich gesagt überhaupt keine Lust hatte, mich mit den Charakteren herum zu schlagen, während ich die letzten 66% des Buches an einem Tag durchgelesen habe."
  • Awkward Dangos: 3,5 Punkte. Besonders gefiel der spannende Showdown und die realitätsnahe Darstellung der zwei Welten. Empfehlenswerte, sehr reflektierte Rezension!
  • Anni-chans fantastic books: Sie ist restlos begeistert und findet es vor allem toll, "dass Kat mit Elisa eine Protagonistin geschaffen hat, die nicht perfekt ist. Die launisch sein kann, falsche Entscheidungen – am laufenden Band – trifft und – was ich besonders toll finde – die über eine Behinderung verfügt."
  • Nicoles Fantasy:  "Fantasyroman mit einer etwas anderen Heldin, einer interessanten Parallelwelt und einem spannenden Konflik", nur leider ist sie mit der Heldin nicht warm geworden
  • Nickis Lesewelt: 3 von 5 Blüten,  netter Fantasieroman, aber  es konnte "nicht ganz überzeugen durch einen Überfluss an Informationen sowie in die Länge gezogenen Leseabschnitten."
  • Bücherzelt: Volle Punktzahl, auf der ganzen Linie überzeugt  
  • Bücher - Seiten zu anderen Welten: 2,5 Punkte. Die Protagonistin war anstrengend und es ging nur um ihre persönlichen Probleme, deshalb nicht gut in die Story reingekommen
  • Sandys Welt: wundervolle Geschichte für Zwischendurch mit einem atemberaubenden Setting, aber nicht ausgeschöpftem Potential. 3 Punkte
  • Worldsofbooksanddreams: Eine leicht zu lesende und magische Urban Fantasy Geschichte, die mit ihrem Worldbuilding und der Magie bei mir absolut punkten konnte. Empfehlenswert.

Kommentare:

  1. Huhu Daniela,

    du spiegelst hier meine Meinung hervorragend wieder. Du hast ja schon gelesen, wie mir Eonvar gefallen hat. ;)

    Ganz herlichen Dank fürs Verlinken, ich habe deine Rezension gleich mal mitverlinkt.

    Liebe Grüße
    Silke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Silke,
      da danke ich dir auch :)
      Ich mag den Gedanken, dass wir ein Netzwerk aus Buchblogs bilden.

      Löschen
  2. Hey Daniela,
    ist ja interessant, wie viele Rezis du zum Buch gefunden hast und sie sind absolut gemischt. Das gefällt mir! Seltsamerweise habe ich dieses Buch gar nicht wahrgenommen. Ich höre jetzt bei dir zum ersten Mal was davon. hahaha
    Ich stelle jedoch fest, dass mich dieses Buch wohl nicht ganz so fesseln würde. Nach einigen gelesenen Fantasybüchern mag ich lieber so etwas wie "Eragon" oder "Die Elfen". Es freut mich jedoch, dass das Buch deine Erwartungen erfüllt hat. Besser als gefrustet sein, wie ich in letzter Zeit hin und wieder. ;-)
    GlG, monerl

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo monerl,
      vielleicht war ich da auch selbst in einer Blase, weil ich das Buch schon bei Spread&Read gesehen hatte, da war ich schon neugierig, und dann immer wieder.
      Tut mir leid, dass du gefrustet bist. Hatte ich auch schon, da denkt man, man findet gar nichts interessantes mehr zum Lesen. :D

      Löschen
  3. Hey Daniela :)

    Danke fürs markieren! :D

    Ich kann deine Meinung durchaus nachvollziehen. Die Geschichte war wirklich reizvoll und es war definitiv mehr drin, als man von Anfang an erwarten konnte.

    Leider bin ich mit der Protagonistin nicht klar gekommen und da liest sich die Story dann doch etwas anstregend.

    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Andrea,
      das ist klar, wenn die Charaktere einen nur aufregen, dann ist es anstrengend. So geht es mir gerade mit "Der Untertan" von Mann, sehr anstrengend zu lesen.

      Löschen
  4. Hey Daniela,

    du hast recht, da haben wir tatsächlich eine SEHR ähnliche Meinung zu diesem Buch. Gerade die Freundschaft zu Lucy und das spannende Ende haben mir ja auch sehr gut gefallen. :)

    Deine Art, andere Rezensionen zu verlinken und zu jeder davon einige Sätze zu schreiben, finde ich unheimlich schön! So weiß man immer direkt, was einen dort erwartet. Ich freue mich unheimlich, dass dir meine Rezi so gut gefallen hat, deine hat mir auch sehr viel Spaß bereitet. :)

    Liebe Grüße
    Lena ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. PS: Natürlich habe ich dich nachträglich ebenfalls verlinkt!

      Löschen
    2. Hallo Lena,
      wie schön, dass dir meine Rezi gefallen hat und du mich verlinkt hast; vielen Dank!
      Ich les immer sehr gerne andere Rezensionen zu dem Buch, das ich grad gelesen hab; und ich mag es, dass ein bisschen zusammenzufassen oder prägnante Stichworte aufzuschreiben.
      Liebe Grüße
      Daniela

      Löschen

Ich freue mich über eure Kommentare und über den Austausch. Ich kommentiere hier oder auf eurem Blog, wenn ihr einen habt.

Wenn ihr hier kommentiert, seid ihr mit der Datenschutzerklärung einverstanden, beachtet also bitte die Hinweise dort.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...