Samstag, 3. Februar 2018

Klassik für Dummies von David Pogue und Scott Speck

das Bild zeigt das Buch, auf dem Cover ist ein Teil einer Violine
Klassik für Dummies

Sachbuch, 296 Seiten
Wiley-VCH Verlag, 3. akt. Auflage 2016
Original: Classical Music For Dummies, 1997
ISBN: 978-3527700981
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Woher: Aus Interesse an der Klassik gekauft, als leicht verständliches Nachschlagewerk


Erster Satz


Sie haben dieses Buch aufgeschlagen und sind dabei, in die furchteinflößende, mysteriöse, überlebensgroße Welt der klassischen Musik einzutauchen, wo hundert Leute auf der Bühne sitzen, die wie Kellner aus dem 17. Jahrhundert gekleidet sind, seltsame Dinge mit Metall- und Holzstücken machen und dabei merkwürdige und exotische Klänge erzeugen.

Zusammenfassung


In dieser Ausgabe nehmen uns Pogue und Speck mit in die Welt der Klassik in folgenden Kapiteln
  • Vorsichtig an die klassische Musik herantasten  
  • Eine vollständige Geschichte der Musik in 72 Seiten  
  • Sonaten, Symphonien & Co
  • Daves und Scotts Konzert-Überlebensführer für Anfänger und solche, die noch nicht einmal das sind
  • Ein Führer durch das Orchester
  • Das gefürchtete Kapitel über Musiktheorie
  • Das Ganze noch einmal, aber diesmal mit Gefühl: Tempo, Dynamik und Orchestrierung    
  • Der Top-Ten-Teil
  • Anhänge 


Persönlicher Eindruck


Die "für Dummies" Reihe kennt wohl jeder. Klassik für Dummies ist ein Überblick über die Welt der klassischen Musik, der mir sehr vollständig vorkommt. Er ist informativ und zugleich witzig geschrieben, eignet sich sowohl um es von vorn nach hinten zu lesen als auch einfach durchzublättern und sich über das zu informieren, was einen gerade interessiert, also wie ein Nachschlagewerk. Das Werk liegt nun griffbereit im Regal neben der Stereoanlage, um immer mal wieder zu Rate gezogen zu werden.


Kapitel Eine vollständige Geschichte der Musik in 72 Seiten ist chronologisch aufgebaut, angefangen vom Mittelalter, über Renaissance, Barock und der Wiener Klassik zur Zeit des Nationalismus, dem 20. Jahrhundert und darüber hinaus zur zweiten Wiener Schule und den Amerikanern. Dabei werden die besten Komponisten ihrer Zeit vorgestellt, mit Lebenslauf und Anekdoten. Besonders hilfreich fand ich die Tipps, welche Stücke von ihnen man sich zunächst anhören sollte. Kleiner Kritikpunkt: Bruckner fehlt!

Sonaten, Symphonien & Co erklärt, was Symphonien, Sonaten, Serenaden, Ouvertüren usw. überhaupt sind.

Der Konzert-Überlebensführer ist hilfreich vor einem ersten Konzertbesuch, der mir ja noch bevorsteht. Er gibt Hintergrundinformationen zur Konzertabfolge, wann man klatschen sollte - und wann nicht, Tipps zum guten und möglichst günstigen Sitzplatz und klärt auf, was der Dirigent da eigentlich macht.

Der Führer durch das Orchester ist sehr umfangreich und stellt die typischen Musikinstrumente in einem Orchester vor, komplett mit Informationen, wie die Musiker diese spielen, wie der Klang ist und wie sie meist eingesetzt werden. Auch hier gibt es Tipps, in welchen Stücken es z.B. markante Bratschensoli gibt oder Stücke nur für Waldhörner.

Dann ein bisschen Musiktheorie, Rhythmus, Tonhöhe, Intervalle, Harmonien, sowie Tempo, Dynamik und Orchestrierung. Obwohl ich Akkordeon spiele seit ich 10 Jahre alt bin, hab ich auch noch etwas gelernt, nämlich einen guten Merkspruch für die Töne auf den Notenlinien.

Der Top-Ten-Teil ist wieder lustiger, hier sind z.B. die zehn häufigsten Missverständnisse über klassische Musik, musikalische Fachbegriffe für Cocktailpartys oder Tipps, wie man nach der Lektüre des Buches weitermachen kann.

Die Anhänge bieten Tipps zur eigenen Klassik-Sammlung, eine Zeittafel und natürlich ein Glossar. Besonders hilfreich fand ich hier die Einteilung in Stücke von mild bis hin zu ganz scharf!


Mein Gefühl ist, dass ich umfangreich und gut strukturiert in die Welt der Klassik eingeführt wurde.
Der Schreibstil ist sehr locker und lustig, brachte mich öfters zum Lachen. Die Beispiele im Buch wurden lokalisiert und auf Deutschland übertragen. Einige Satzfehler hat es leider und Strauss ist im Buch 30 Jahre zu früh gestorben.


 Lesen oder nicht?


Ein umfangreiches Nachschlagewerk, dass den Leser über keinen Bereich klassischer Musik im Unklaren lässt. Wichtige Komponisten in ihrer jeweiligen Zeit werden genauso behandelt wie die Musikinstrumente und die Orchestrierung. Die Tipps zum Hören von Stücken sind hilfreich und der Konzert-Überlebensführer lässt den Leser bei seinem Konzertbesuch nicht wie ein Trottel dastehen.
Neben dem verständlichen Schreibstil mochte ich auch den Humor, der mich oftmals lachen ließ.

Gesamtbewertung


Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern

Leseempfehlung
5 Steme: Leseempfehlung

Bestnote für dieses tolle Sachbuch (obwohl Bruckner in der Auflistung fehlt)


plus Sonderpreis:
Umziehpotential - Werde ich immer in meinem Bücherregal haben
Umziehpotential- der Sonderpreis
Dieses Buch werde ich nie mehr hergeben und immer mit umziehen.


3 Zitate

Eines Abends schlich sich ein Witzbold in den Konzertsaal und verstimmte alle Instrumente, bevor das Konzert begann. Als Händel zu dirigieren begann, hörte das Publikum eine quietschende, widerliche, klägliche Kakophonie, wie sie nur 50 verstimmte Instrumente produzieren können. Händel dreht durch. In seiner Wut griff er sich einen riesigen Kontrabass und warf ihn um. [Zufallszitat, S. 40]

Wenn Sie ein Konzert besuchen und ein Menuett hören, dann hören Sie eine musikalische Form, die früher ausschließlich zum Tanzen gedacht war. Früher waren diejenigen, die Menuetten nur zuhörten, diejenigen, die keinen Tanzpartner abbekommen hatten. [S. 108]

Ursprünglich wurden diese Saiten - ebenso wie manchmal die Bespannung von Tennisschlägern - aus Katzendärmen (Catgut) hergestellt, weil Katzendarm auf verschiedene Längen gedehnt werden kann und einen sehr angenehmen Klang erzeugt (aber vermutlich nur, wenn Sie nicht zu den Hinterbliebenen der Katze gehören.) [S. 156]

Weitere Meinungen

Kommentare:

  1. Liebe Daniela

    Dir ist da eine tolle und vielschichtige Rezension gelungen, wirklich super. Die Zitate sind wundervoll amüsant ausgewählt und mich würde der Merkspruch für die Töne interessieren. Könntest du mir den verraten? Das würde sicher einigen Schülerinnen von mir helfen... :-)

    Ganz liebe Grüsse dir
    Livia

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    1. Hi Livia,
      der Merkspruch von die Töne auf der Notenlinie von unten nach oben: Eben gingen heitre Dinos fliegen.
      Und die zwischen den Linien heißen FACE, wenn man Englisch kann, ist das einpräsam genug.
      Ich bin nie auf die Idee gekommen für einen Merkspruch, daher fand ich das wirklich einprägsam!
      LG - Daniela

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    2. Liebe Daniela

      Das ist ja toll und ich bin ehrlich gesagt wirklich kein grosser Fan von Merksprüchen. Bei einigen hilft aber gar nichts anderes mehr... :-)

      Alles Liebe und vielen Dank
      Livia

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  2. Die "Für Dummies"-Bücher kenne ich nur vom Sehen aus der Buchhandlung, vielleicht sollte ich mir tatsächlich mal eines zulegen, wenn du hiervon so begeistert bist!

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    1. Hi Mila,
      vielleicht wirkt der Name abschreckend auf einige.
      Die große Stärke der Reihe ist, dass sie tatsächlich in übersichtlicher Form das wesentliche vermittelt, und das klar und humorvoll.
      Wer dann noch mehr wissen will, kann sich immer noch weitere Literatur kaufen.
      Aber wir hören uns gerade quer durch die Klassik und dieses Buch ist wunderbar um Stücke auszuwählen und einzuordnen.
      Liebe Grüße
      Daniela

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  3. Ha, das mit den Zuhörern der Menuette ist ein Superzitat. Und ich liebe die Dummy-Reihe :-)

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    1. und sehr wahr, das Zitat.
      Ja, die Reihe ist wirklich gut!

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  4. Hallo Daniela,

    ich habe selbst jahrelang Geige gespielt, aber ein Blick in dieses Buch kann wirklich nicht schaden. Andere Bücher aus der Reihe (Shakespeare, Islam, Französisch) fand ich sehr erhellend und gut geschrieben und gegliedert. Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deinem ersten Konzertbesuch und würde, wenn ich darf, für den ersten Besuch etwas Bekanntes wie Vivaldis Vier Jahreszeiten oder zur Winterzeit Tschaikowsky (Nussknacker, Schwanensee) empfehlen. Da ,,geht man mehr mit" und freut sich, dass man das Stück wiedererkennt.

    Herzliche Grüße
    Jana

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    1. Hi Jana,
      man merkt, dass die Bücher didaktisch wirklich gut aufgebaut sind, und auch das Layout sowie der Stil finde ich gelungen und zielführend.
      Die Konzertkarten sind schon gekauft. Obwohl ich beileibe noch nicht alle Komponisten kenne, die es so gibt, dafür sind es zuviele Werke, hab ich mich für zwei entschieden, die ich schon kenne. Zunächst wird ein Klavierkonzert von Beethoven gespielt und dann ein Stück von Bruckner. Das war auch ausschlaggebend, denn Bruckner ist mal nicht für Mietwohnungen geschaffen. Wenn man die Nachbarn nicht allzu ärgern will, muss man ständig die Lautstärke regulieren; und wir hatten mal so richtig Lust, in einem Konzertsaal zu sitzen und von Bruckner hinweggefegt zu werden, ohne uns Gedanken darüber zu machen, dass diese Stelle nun grad zu laut ist. Da bin ich sehr sehr gespannt drauf und freu mich schon arg!
      LG, Daniela

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