Freitag, 13. Juli 2018

[#WritingFriday] Mein Schreibtisch erzählt

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Danielas Schreibtisch erzählt


Schreibaufgabe: Dein Schreibtisch erzählt aus seinem Alltag.


Huhu, ich bin es, ich - Danielas Schreibtisch. Hört man mich gut, ja? Hach, ich bin das ja gar nicht gewöhnt, so im Mittelpunkt zu stehen. Meine Aufgabe war bisher nur, ein Schreibtisch zu sein, ein guter Schreibtisch und das bin ich schon seit 1990, ungefähr seit Daniela von ihrem alten Kinderzimmer in das größere Zimmer unters Dach gezogen ist und schon auf dem Gymnasium war. Ich habe gehört, dass sie zuvor ihre Hausaufgaben am Wohnzimmertisch bei ihrer Oma gemacht hat, aber das geht mich nichts an, das ist ihre Vergangenheit.
Klar, auch ich hatte eine Vergangenheit, ich war schon zuvor ein Schreibtisch bei Klaus. Und Klaus, das ist ein Kumpel von Jürgen. Und Jürgen, das ist Danielas Papa. Und über diese Verbindung zog ich also bei Daniela ein.


Zuvor hat Jürgen meinen Korpus - also meine Beine und die Querverbindungen, alles aus Metall - neu gestrichen und die Platte aus Massivholz abgeschmirgelt und neu lackiert. Ein Prachtstück war ich, Daniela war sehr entzückt.
Tja, da hab ich nun die Schulzeit mitgemacht, dutzende von Vokabelheften wurde mit englischen und französischen Wörtern gefüllt, Seiten voller Matheformeln, Biologiehausaufgaben und Deutschaufsätzen. Und auch Briefe an unbekannte Menschen in Südafrika, Korea oder Chile, von denen man sich eine Brieffreundschaft versprach. Seitenlange Briefe an die Schulfreundin, die man doch von 7:55 bis 13:05 gesehen hatte. Liebesbriefe, nie abgeschickt. Liebeskummer, mit heißen Tränen im Tagebuch festgehalten.

Und - ich muss es gestehen - auch Dinge waren darunter, die mit Schreiben nicht viel zu tun hatten. Ich wurde mit Decken in eine Höhle verwandelt - zur Freude des kleinen Cousins. Ich diente als Turninstrument (mit mäßigem Erfolg). Und als Sitzunterlage (warum auch immer).
Ja, das waren die schönen Erlebnisse, an die ich gern zurückdenke.
Natürlich gab es auch weniger schöne Momente. Kratzer und Löcher zeugen davon, dass Schere, Geodreieck und Zirkel nicht immer nur fachgerecht eingesetzt wurden. Und dann ist da noch dieser dunkle Kreis - ja, das hätte dramatisch ausgehen können...ein Teelicht direkt auf meine Platte zu stellen und dann die Flamme mit Schnee zu löschen war jetzt intellektuell gesehen keine große Glanzleistung.

Schulhefte und Bücher wurden von Ausbildungs- und Studienunterlagen und dann von einem Computer abgelöst. Das Zimmer, in dem ich stehe, ist nicht länger ein Kinderzimmer, sondern ein Arbeitszimmer und befand sich nun auch in einem anderen Ort. Mein Alltag heute? Daniela sitzt schon lange nicht mehr täglich an mir, und oft geht sie mit ihrem Laptop auch fremd, arbeitet im Wohnzimmer oder auf dem Balkon im Schneidersitz. Aber mich gibt es noch und ich beherberge Stifte, Schere und Tesafilm. Briefe an Firmen werden auf mir eingetütet und frankiert. Trauer- und Geburtstagsbriefe werden geschrieben, hin und wieder etwas handgelettert. Und manchmal bin ich immer noch - warum auch immer - eine Sitzunterlage. Daniela sitzt dann auf mir, baumelt mit den Beinen und schaut zum Fernseher oder auch zum Fenster. Das ist also gleich geblieben, bei aller Erwachsenheit. Nur hoffe ich, dass die Kombination aus Teelicht und Schnee der neuen, erwachsenen Daniela nicht mehr in den Sinn kommt. Und ich hoffe, dass wir noch viele Jahre zusammen haben werden.

So - und nun lasst mich einfach weiterhin ein Schreibtisch sein.


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Über den #WritingFriday:  Elizzy von Readbooksandfallinlove hat ihn ins Leben gerufen, um das kreative Schreiben zu fördern. Jeden Monat gibt es verschiedene Themen, aus denen man wählen kann. Eine Geschichte, ein paar Zeilen, ein Gedicht, ausgedacht oder selbst erlebt -  alles ist möglich.

Die Themen für den Juli

  • Dein Schreibtisch erzählt aus seinem Alltag.
  • Schreibe eine Story, bei der folgende Wörter irgendwo darin auftauchen:
    Sonnenschein / ungeduldig / Kunststück / Raupe / Sommergewitter
  • Erstelle eine Pro und Contra Liste zum Thema:
    im Buchladen einkaufen vs. Bücher in Bibliothek ausleihen. Welche Seite gewinnt?
  • Du hast die Möglichkeit für einen Tag ins Weltall zu fliegen oder 300 Jahre in die Zukunft zu reisen. Welche Wahl triffst du?  Erzähle wieso du dich so entschieden hast.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er konnte tatsächlich fliegen!“ endet.

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Daniela,

    ein ganz besonders privater Moment mit deinem Schreibtisch, der mir sehr gut gefallen hat! Absolut toll, dass er schon so alt ist und deshalb auch eine so besondere Geschichte zu erzählen hat. Das gibt es ja tatsächlich heutzutage sehr selten. Ein robuster, alter Tisch, der sich erinnert.

    Ich habe für heute einen BEITRAG der etwas anderen Art vorbereitet. Bin gespannt, wie er dir gefällt. 

    GlG, monerl

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    1. Hi monerl,
      ja, das ist er tatsächlich. Ich war selber erstaunt, als ich nachgedacht habe, seit wann ich ihn habe. Er lässt sich aber leicht transportieren, weil Beine und Platte eben separat sind, trotz der Masse.
      LG
      Daniela

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  2. Hi Daniela,

    in der Geschichte steckt ganz viel drin. Die Onomatopoesie am Anfang zieht sehr gut in den Text, und all die Gegenstände auf dem Schreibtische und Tätigkeiten mit dem Schreibtisch sind kleine Geschichten für sich. Man hat so den Eindruck einmal hinaufgeschaut und Lust bekommen zu haben, sich mit dem Schreibtisch anzufreunden. :)

    Viele Grüße
    Sebastian

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    1. Ja, das stimmt - eine Geschichte besteht für mich oft aus vielen kleinen Einzelbegebenheiten

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  3. Liebe Daniela,

    Du hats mich gerade sehr berührt.
    Mein Schreibtisch ist fast so alt. Ich schätze mal, ich habe ihn Anfang der 90ziger Jahre gekauft. Und der Gedanke, was ich schon alles auf ihm geschrieben habe - wow! Ich hatte ursprünglich überlegt, bei der Aktion mit einzusteigen (aber ich schaffe es zeitlich einfach nicht) und diese Aufgabe hat mich sehr gereizt. Aber den Aspekt, wie lange ich ihn schon habe, den habe ich komplett vergessen.
    Und Deiner hat ja eine noch längere Vorgeschichte!
    Großartig!

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      hattest du mich nicht sogar auf die Aktion aufmerksam gemacht?
      Ja, es ist echt ein großer zeitlicher Aufwand, dafür hab ich ja z.B. die Blogwanderungen eingestellt, aber mir hat es wirklich schon viel gebracht, v.a., weil ich ja in diesem Bereich etwas machen möchte.
      Deiner ist dann aber auch wirklich lange bei dir. Aber zeitlich kommt das ungefähr hin, es müsste auch bei mir Anfang der 90er oder kurz davor gewesen sein.

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  4. Ach Gott, ist das ein schöner Text, liebe Daniela! :)
    Das erinnert mich an meinen alten Schreibtisch, der durfte damals auch ganz viel von meinem jugendlichen Blöd- und Leichtsinn ertragen. :D Ich finde es auch super, dass er zur Höhle umfunktioniert wurde - das haben wir als Kinder auch immer sehr gern gemacht. Ein wunderbarer und vor allem sehr persönlicher Text zu einem sehr persönlichen Möbelstück. <3
    Liebste Grüße,
    Ida

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    1. Ich hab sogar noch weitere so alte Möbelstücke. Die sind sämtlich aus Massivholz, da merkt man einfach die Qualität. Helles Holz, also sehr zeitlos.
      Z.B. mein Bücherregal, das hab ich so seit Mitte der 90er Jahre. Drei weitere kleinere Regale, von meinen Eltern aussortiert, bei mir seit Mitte der 80er. Zwei sind heute in der Küche ein Küchenregal und das andere ist vor der Wohnung ein Schuhregal. Einfach super robust und extrem haltbar.

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  5. Hey,
    das ist ja die ganze Lebensgeschichte eines Schreibtisches. Sehr schön. Ich mag ja alte Möbel und Dinge. Wenn Sachen ihre Geschichte haben, kann Neugekauftes nicht mithalten, egal wie modern und chic. :)
    Grüße, Katharina.

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    1. Hi Katharina,
      ja, das stimmt! Eine Großcousine hat eine alte Drechselbank aufpoliert und zum Mittelpunkt ihrer Küche gemacht, es sieht einfach nur genial aus!

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  6. Hallo Daniela

    Ich bin gerade über deinen Schreibtisch-Text gestolpert und bin begeistert! Ich wusste nicht, dass ein Schreibtisch so viel erzählen hat und das auf so wunderbare Weise. Ein sehr schöner Text! :) (Und Wahnsinn, dein Schreibtisch ist genauso alt wie ich es bin. Das kann ich von meinem Schreibtisch leider überhaupt nicht behaupten, der wird alle paar Jahre bei IKEA durch einen neuen ersetzt :D)

    Liebe Grüsse ♥
    paperlove von Between the Lines.

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    Antworten
    1. Hi paperlove,
      wie schön, dass du so alt bist wie mein Schreibtisch, das find ich wirklich lustig!
      Aber warum ersetzt du deinen alle paar Jahre? Mit IKEA hab ich auch gute Erfahrungen gemacht, die Sachen halten doch eigentlich lang?

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  7. "Und als Sitzunterlage (warum auch immer)."
    XD
    Wie ich schmunzeln musste und mir einen schulterzuckenden Schreibtisch vorgestellt habe.

    Schöne Geschichte und schöne Erlebnisse, die meiner nicht so lang erzählen könnte ;)

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    1. und ich hatte schon Befürchtung, es seien zu wenige Erlebnisse gewesen...

      Die Vorstellung eines Schreibtischs, der mit den Schultern zuckt, ist auch wirklich komisch :D

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