Freitag, 6. Juli 2018

[#WritingFriday] Gespräch mit Knickel - Kaufen oder Leihen?

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Gespräch mit Knickel - Kaufen oder Leihen?


Schreibaufgabe: Erstelle eine Pro und Contra Liste zum Thema:
im Buchladen einkaufen vs. Bücher in Bibliothek ausleihen. Welche Seite gewinnt?


Moderator Knickel: Hallo meine Damen und Herren und herzlich willkommen bei Gespräch mit Knickel, ihrer wöchentlichen Talkshow. Unser heutiges Thema: "Bücher - im Buchladen kaufen oder in der Bibliothek ausleihen". Begrüßen Sie mit mir: Kultusminister Heribert Schwanzer *Applaus*, Buchhändlerin Mathilde Dubenhubel *Applaus*, Bibliothekar Peter Kopfbeißer *Applaus*, Gräfin Rosalinde von Dallenbrock - sie ist Buchliebhaberin besitzt eine exklusive Privatbibliothek, und Buchbloggerin Daniela Walch.

Ja - Bücher kaufen oder leihen. Herr Kultusminister Schwanzer - wie steht die Regierung zu dieser Frage?




Kultusminister Schwanzer: Ja, ich bin sehr froh, Herr Knickel, dass Sie mir diese Fragen stellen. Lassen Sie mich vorab sagen, dass die Lese-Initiative der Regierung nun, das können wir in aller Entschiedenheit sagen, Früchte trägt. Wir haben Lesepaten in den Kindergärten installiert, eine große Alphabetisierungskampagne für ausländische neue Mitbürger und Mitbürgerinnen gestartet, wir haben Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer weitergebildet, wir haben - und das ist ganz entscheidend -

Moderator: Bitte beantworten Sie mir doch meine Frage, Herr Schwanzer - Kaufen oder Leihen?

Kultusminister: Um diese Frage zu beantworten ist es wichtig zu verstehen, dass die Zahlen derjenigen, die angeben, regelmäßig zu lesen, in den letzten drei Jahren, seit der neuen Legislaturperiode, wieder gestiegen sind, nachdem wir in den Jahren zuvor einen enormen Rückgang -

Moderator: Ich gebe die Frage weiter. Frau Dubenhubel, sie haben seit Jahren einen kleinen Buchladen in der Durlacher Altstadt. So, ich zeige unseren Zuschauern mal die Bilder.

*zeigt die Bilder*

Moderator: Frau Dubenhubel, was ist in ihren Augen das entscheidende Argument dafür, sich ein Buch zu kaufen und nicht zu leihen, davon abgesehen, das sie ihren kleinen hübschen Buchladen unterstützen. *lacht*

Buchhändlerin Dubenhubel, *lacht etwas gekünstelt*: Ja, Herr Knickel, da sprechen Sie gleich einen guten Punkt an. Tatsächlich haben wir sehr viele gute und kompetente Buchhändler hier im Land -

Kultusminister, *versucht, sich in das Gespräch einzuklinken, wird aber von Moderator und Buchhändlerin ignoriert*: Und deshalb hat die Regierung die Kampagne BUCH gestartet, die den Buchhändlerinnen und Buchhändlern eine Weiterbildung ermöglichen soll ohne dafür ----

Buchhändlerin: -, die eine sehr gute Arbeit leisten und zur Kultur, zur großen Kultur von Schiller und Goethe ihren Anteil haben, in dem sie den Menschen die Bücher näherbringen. Wie leer wären unsere Innenstädte ohne die Buchhandlungen"

*wird von Applaus unterbrochen*

Gräfin: Sie sagen es.

Buchhändlerin: Eine ganz wichtige Arbeit ist das.

Gräfin: Wenn ich etwas dazu sagen darf - die Buchhändler sind sozusagen die Wirbelsäule unserer Buchkultur. Im besten Fall - und mir ist das schon oft passiert, dann komm ich morgens in die Buchhandlung meines Vertrauens und die Gertrud ruft schon von weitem 'Rosa, das musst du lesen' - und sie kennt meinen Geschmack, führt mich auch mal über meine Lesekomfortzone und sie hat so recht, das ist unermesslich!

*Applaus*

Moderator: Gräfin von Dallenbrock, sie haben eine große Privatsammlung an Büchern, wieviele haben sie in ihrem Besitz?

Gräfin: Oh, das ist schwer zu sagen, aber es dürfte im fünfstelligen Bereich sein.

Moderator: Haben Sie die alle gelesen?

Gräfin: Leider noch nicht alle, die Zeit ist ja so knapp. Ich habe einen Trakt nur für die Bücher, die ich noch nicht gelesen habe, der TuB - Trakt der ungelesenen Bücher. Aber dennoch kann ich mich auch einfach an einer Schmuckausgabe der Schatzinsel erfreuen, an einem besonders hochwertig gestalteten Einband.

Moderator: Dann legen Sie auf die Gestaltung der Bücher größten Wert?

Gräfin: Ja - ich kaufe entweder neu oder auf dem Antikmarkt gut erhaltene oder seltene Bücher. Wie eine Bibel von 1523 oder das Originalmanuskript von Ramon de Llull, solche Schätzchen bewahre ich dann natürlich selbstverständlich in einer Sicherheitsvitrine auf, gut verwahrt und auch versichert. Die Bücher die ich lese müssen selbstverständlich in tadellosem Zustand sein und bleiben - bei mir gibt es keine Eselsohren oder Leseknicken!

Moderator: Haben Sie Taschenbücher?

Gräfin: Gott bewahre, nein, natürlich nur Hardcover. Ich ziehe mir sogar beim Lesen Handschuhe an, damit das Buch keinen Schaden nimmt.

Moderator: Herr Kopfbeißer, als Bibliothekar ist Ihnen so eine Einstellung vermutlich ziemlich fremd.

Bibliothekar *lacht*: Ja nun, wenn unsere Kunden Handschuhe beim Lesen tragen würden, das wär schon ein Ding. Wir sind ja schon froh, wenn wir die Bücher heil zurückbekommen. Leserillen bleiben nicht aus, Eselsohren leider auch nicht - da redet man gegen Windmühlen an. Was wir streng monieren sind Anmerkungen im Buch, in so einem Fall muss der Kunde dann das Buch zahlen, oder auch bei größeren Schäden.

Moderator: Was war da so das Seltsamste, das Ihnen untergekommen ist?

Bibliothekar: Da war der BWL-Student, der offensichtlich mit seiner Studienwahl nicht so zufrieden war. Er brachte ein BWL-Buch zurück und hatte innen auf jede Seite mit schwarzem Edding gekritzelt: So ein Müll. Er musste das Buch natürlich bezahlen, aber er wirkte dabei fast zufrieden. Dann gibt es natürlich immer Leute, die das Buch schlicht verlieren, im Bus liegenlassen oder es aus Versehen ins Klo schmeißen - sie glauben gar nicht, wieviele Bücher im Lauf eines Jahres ins Klo fallen...

Und dennoch, im Gegensatz zur Buchhändlerin ist es so, dass wir jedem die Möglichkeit bieten, ein Buch zu lesen ohne allzuviel Geld. Bei uns kann auch der arme Student oder die Alleinerziehende Bücher leihen, das kann sich jeder leisten.

Und da hätte ich dann doch mal eine Frage an den Herrn Kultusminister. Wie kann es sein, dass der Kauf von neuen Büchern steuerlich gefördert wird, aber wir jedes Jahr aufs neue um unsere Zuschüsse kämpfen müssen?

Moderator: Herr Kultusminister, eine Frage an Sie!

*Der Kultusminister gibt eine Antwort, die zwar sachlich korrekt ist, aber bei der deutlich wird, dass er die Sorgen des Bibliothekars gar nicht ernst nimmt. Daraufhin entspinnt sich eine längere Diskussion über die Besteuerung von Bücher, Zeitschriften, Druckerzeugnisse, über die Anzahl der Auszubildenden im Buchwesen und über die Versäumnisse der Vorgängerregierung. Nach einer drögen halben Stunde findet der Moderator nach einem sanften, aber beharrlich in roten Buchstaben blinkenden Hinweis der Regie zum eigentlichen Thema zurück*

Moderator: Zurück zum eigentlichen Thema. Und leider müssen wir auch noch ein bisschen auf unsere Sendezeit achten, daher bitte ich um kurze Statements. Kaufen oder leihen, und warum - Frau Dubenhubel

Buchhändlerin: Natürlich kaufen. Und sich dabei von seiner Buchhandlung beraten lassen. Nur mit einer Buchhandlung vor Ort kann man spontan kommen, die Klappentexte durchlesen, und dann ein Buch mitnehmen, dass einem sonst vielleicht entgangen wäre.

Moderator: Kaufen oder leihen, Frau Gräfin von Dallenbrock?

Gräfin: Kaufen. Es geht nichts über die Haptik eines neuen Buches, eines Buches, dass einem ganz allein gehört, mit den Händen über die Seiten streichen, der Geruch von druckfrischem Papier oder der Geruch nach Staub und vergangener Zeit von einem antiken Buch, es geht nichts über dieses Erlebnis.

Moderator: Kaufen oder leihen, Herr Kopfbeißer?

Bibliothekar: Unsere Bücher erfreuen nicht nur eine Person, sondern sie sind für ganz viele Menschen da, auch für die mit kleinem Geld und für die, die einfach nicht jedes Buch besitzen müssen.

Moderator: Unsere Buchbloggerin - von Ihnen haben wir ja bisher noch gar nichts gehört. Auch die Frage an Sie - und damit haben Sie auch das Schlußwort: Kaufen oder leihen, Frau Walch?

Buchbloggerin: Herr Knickel, ich habe heute Abend viel gehört, aber eines ist mir dabei zu kurz gekommen - nur der Herr Kopfbeißer hat es angedeutet:

Es ist nicht der Umschlag, der ein Buch ausmacht. Auch nicht die hochwertigen Seiten, der gute Geruch, ob es Leserillen hat oder jemand etwas reingekritzelt hat. Ob es neu ist, gebraucht, viele Besitzer hatte oder noch gar keinen. Wichtig ist mir als Buchbloggerin die Geschichte! Ist sie anrührend, unterhält sie mich, vertreibt sie mir die Zeit, eröffnet sie mir neue Horizonte. Jegliche Geschichte hat ihre Zeit. Das Gewand ist dabei Nebensache. Ja, ich bin sogar froh, dass es die verschiedenen Arten gibt. Schmuckausgabe, Taschenbuch, Digital, Hörbuch, Ausleihen, Kaufen, Verschenken, Verschenkt bekommen - es gibt soviele Wege, wie ein Buch zu uns kommen kann - und jede einzelne davon hat ihre Berechtigung.


Moderator: Das war "Gespräch mit Knickel".

*Abspann*


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Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen geht, aber ich hatte viel Spaß beim Schreiben! Diese nicht zielführende Moderation, die Abschweifungen ins Private, das Aufhängen an Einzelerlebnissen - zwischendurch ein sachbezogener Diskussionsbeitrag - das sind für mich alles Elemente einer Talkshow, bei der ich mir immer wünsche, zumindest ein Statement wie das am Ende von der Buchbloggerin zu hören, dass der ganzen Diskussion die Spitze aufsetzt und für sich alleine stehen kann.

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Über den #WritingFriday:  Elizzy von Readbooksandfallinlove hat ihn ins Leben gerufen, um das kreative Schreiben zu fördern. Jeden Monat gibt es verschiedene Themen, aus denen man wählen kann. Eine Geschichte, ein paar Zeilen, ein Gedicht, ausgedacht oder selbst erlebt -  alles ist möglich.

Die Themen für den Juli

  • Dein Schreibtisch erzählt aus seinem Alltag.
  • Schreibe eine Story, bei der folgende Wörter irgendwo darin auftauchen:
    Sonnenschein / ungeduldig / Kunststück / Raupe / Sommergewitter
  • Erstelle eine Pro und Contra Liste zum Thema:
    im Buchladen einkaufen vs. Bücher in Bibliothek ausleihen. Welche Seite gewinnt?
  • Du hast die Möglichkeit für einen Tag ins Weltall zu fliegen oder 300 Jahre in die Zukunft zu reisen. Welche Wahl triffst du?  Erzähle wieso du dich so entschieden hast.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er konnte tatsächlich fliegen!“ endet.

Kommentare:

  1. Wow! Einfach toll was du aus der Aufgabe gemacht hast auf jeden Fall unglaublich kreativ gelöst und so charmant, witzig und interessant geschrieben! Super!

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  2. Guten Morgen Daniela,

    diese Moderation zum Thema ist dir wahrlich gelungen! Ich habe sehr interessiert und amüsiert zugehört, wenn man das so sagen kann. haha
    Eine sehr gelungene Umsetzung der Aufgabe. Im ersten Moment erscheint die Aufgabe ganz banal. Was aber draus werden kann, hast du sehr schön aufgezeigt!
    Bei mir geht´s heute eher politisch, traurig bzw. melancholisch zu. HIER ist mein Beitrag.

    GlG, monerl

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  3. Liebe Daniela,

    mir war es ein bisschen zu wirr. 😳 Und ich habe die ganze Zeit gewartet, bis Du zu Wort kommst. :D
    Aber die Idee ist toll! Besonders das Verhalten des Ministers. Aber der Name.... Schwanzer? 😂
    Dubenhubel finde ich klasse.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      es sollte auch wirr sein :D
      Es ist sicherlich auch nicht mein Lieblingstext, aber ich hatte mir die Aufgabe gestellt, eine Talkshow zu schreiben und "wirr" und "sie reden aneinander vorbei und treffen den Kern nicht" gehört da einfach dazu, zumindest bei einer Persiflage

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  4. Hi Daniela,
    wunderbar, eine seltene Perle: ein dramatischer Text :) -- schön gerahmt und die Figuren könnten morgen genauso gut bei Anne Will sitzen.
    Viele Grüße
    Sebastian

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  5. Liebe Daniela,
    Das hat mir total gut gefallen, ich konnte mir regelrecht vorstellen, dass du mit verschmitztem Grinsen am Schreibtisch saßt und die Frau DUbenhubel kreiert hast ;-)
    Viele Grüße
    der Marillenbär

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  6. Liebe Daniela,
    ich bin sprachlos. Wow! Du hast diese Aufgabe unglaublich gut umgesetzt und den einzelnen Figuren so viel Leben eingehaucht <3
    Liebe Grüße,
    Janika

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  7. Hey Daniela,
    dein Text gefällt mir sehr gut und ich musste oft lachen. Ohne dass du die Charaktere beschrieben hast, kann ich sie mir bildlich vorstellen.
    Ich finde es auch sehr schön, dass deine Kernaussage am Ende steht und alle andere Charaktere quasi "vorführt".
    Grüße, Katharina.

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    Antworten
    1. Hallo Katharina. Wie schön, dass ich dich zum Lachen bringen konnte!
      Und, ja, genau so wollte ich das haben, die Kernaussage am Ende (hätte ich sie am Anfang gesagt, wäre die Talkshow ja ziemlich schnell sinnlos geworden)

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