Mittwoch, 20. Juni 2018

[Rezension] Ein deutscher Wandersommer: 1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat von Andreas Kieling

Andreas und Cleo wandern durch Deutschland
Ein deutscher Wandersommer: 1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat
Autor: Andreas Kieling,
Sabine Wünsch (Mitwirkende)
Fernsehbegleitbuch, Dokumentation, 304 Seiten
NG Taschenbuch, Februar 2013
ISBN: 978-3492404716
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Woher: Dieses Buch fand sich unverhofft in meiner Post - Petrissa vom Hundertmorgenwald hat es mir zugeschickt. Vielen Dank nochmal, Petrissa!


So fängt es an


Das Dreiländereck von Böhmen (Tschechien), Bayern und Sachsen hatte ich mir ganz anders vorgestellt, irgendwie exotischer.

Zusammenfassung


Andreas Kieling ist Dokumentarfilmer. Für ZDF und Arte wandert er einen Sommer lang durch Deutschland - immer am grünen Band entlang, der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dabei hat er großartige Begegnungen mit Menschen, die die Kulturlandschaft geprägt haben oder von der Grenze geprägt wurden, und mit wilden Tieren wie dem Luchs, dem Eisvogel, aber auch Neozoen wie Nandus. Immer dabei: Andreas' Hündin Cleo, die auf dieser Reise ihrer Welpenhaftigkeit entwächst und so manche Herzen öffnet.



Persönlicher Eindruck


Wandern in Deutschland, auf einem bestimmten Weg oder einem bestimmten Thema folgend - das finde ich sehr ansprechend. Die Idee, entlang der ehemaligen Grenze zu wandern und über Deutschlands wilde Tierwelt zu berichten, gefiel mir richtig gut. Andreas Kieling hat das auch toll umgesetzt. Er ist ehemaliger Jäger und Forstmeister, kennt sich von daher super gut aus und hat das ein oder andere Wissenswerte berichtet. Auch seine Hündin, die ihn begleitet, fand ich super. Andreas erzählt einiges von ihr und ihren Eigenheiten. Mir gefiel, wie die beiden während der Wanderung zusammenwuchsen und ein Team wurden.

Auch Menschen hat Andreas Kieling getroffen, die so manches interessante zu berichten hatten. Wie unterschiedlich die Grenze erlebt wurde, welche teils abstrusen Situationen es gab. Andreas Kieling stammt ursprünglich aus der DDR und ist noch minderjährig aus eigenem Antrieb in die BRD geflüchtet; sein Bericht über diese Flucht fand ich wirklich unglaublich! Nicht in dem Sinne, dass ich ihm nicht glaube, aber es lag so jenseits meiner bisherigen Erfahrungswelt - irre, was in Deutschland mal so alles abging...

Ein wenig gefehlt hat mir die Beschreibung der Wanderung an sich. Andreas erzählt zwar, dass es viel regnete, sie im Zelt schliefen und seine Hündin Cleo muskulöser wurde. Aber so ein bisschen fehlte mir das "Wanderfeeling" - klamme Schuhe?, Muskelkater?, Essen aus der Dose?. Und wie interagierte das Filmteam mit ihm. Außer, dass es dabei war, erfahren wir kaum etwas darüber, das find ich schade, weil es sich zuerst so liest, als wäre es nur Andreas und der Hund gewesen.

Die Beschreibungen der Landschaft, die Informationen über Tiere, Natur und Kultur sind wirklich klasse, ich hab es sehr genossen. Was der Autor meiner Meinung nach nicht so gut kann, sind Dialoge. Diese klangen nicht echt, hier hätte er lieber nur informativ zusammengefasst.

Trotz der kleineren Kritiken hat mich das Buch wirklich gut unterhalten und ich habe viel Neues über Deutschlands grünes Band und seine Vergangenheit erfahren.



Lesen oder nicht?


Dieses Buch gefällt: Wanderfreunden, Naturliebhabern, an der Geschichte Deutschlands interessierten. Es bekommt von mir die Normalbewertung, da es mir tatsächlich sehr gut gefallen hat:

Gesamtbewertung: ⭐⭐⭐

 

Zitate


Eisvogeljunge zeigen ein sehr interessantes und ganz außergewöhnliches Verhalten: Kommt ein Elternteil zum Füttern, stellen sie sich in der Bruthöhle in Reih und Glied auf, was aufgrund des engen Raums allerdings eher zu einem Halbkreis oder Kreis gerät. Das Junge, das der Brutröhre, also dem Weg, der zum Eingang führt, am nächsten steht, wird als Erstes gefüttert. Danach setzt es in der Brutröhre einen Kotstrahl ab und stellt sich wieder hinten an, ein Futterkarussell quasi. [S. 87-88]

Ich merkte schon bald, dass ich durch das Wandern Gewicht verlor, und auch Cleos Körper veränderte sich. Am Anfang hatte sie noch ein bisschen was Weiches, Welpenhaftes, aber mit der Zeit bekam sie eine richtig muskulöse Brust ... [S. 113]

Bei den Schlangen in unseren Breitengraden war jetzt im Frühjahr Paarungszeit. Kreuzottern gehören zur Familie der Vipern, abgeleitet von "vivipar", was "lebendgebährend" [sic!] heißt. Genaugenommen sind sie ovovivivpare Schlangen, was bedeutet, dass sie ihre Eier im Mutterleib ausbrüten und - im August, September - etwa regenwurmgroßen Nachwuchs gebären. [S. 147]




Weitere Meinungen

  • Hundertmorgenwald fand das Buch informativ und unterhaltsam, vor allem in der ersten Hälfte, und vergibt 4,5 Punkte

Kommentare:

  1. Oh, danke für die Vorstellung! Ich kenne die Filme zu dem Thema von Herrn Kieling und werde mal gucken, ob ich das Buch nicht irgendwo bei der Onleihe ergattern kann!

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    1. Hi Domic,
      und ich würde nun gern die Filme sehen :D

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  2. Hm, ja, von einem "Wanderbuch" würde ich ehrlich gesagt auch Eindrücke vom Wandern selbst erwarten. Was du sagst... Muskelkater, Essen usw. Auch der Aspekt mit dem Filmteam und wie dessen Begleitung konkret aussah, hätten mich interessiert. Genau wie dich. Ich denke, es ist kein Buch, das mich nach deiner Rezension wirklich reizt. Danke für deine Eindrücke.
    Liebe Grüße
    Alex
    https://kathrineverdeen.de/

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    Antworten
    1. Hi Alex,
      teilweise stand es ja schon drin, dass es nass war, sie ihr Zelt aufgeschlagen haben etc. Aber irgendwie hatte ich dennoch kaum den Eindruck, an einer Wanderung teilzuhaben.

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  3. Liebe Daniela,

    es freut mich, dass es Dir unterm Strich gefallen hat.
    Ich lese ja viele Reiseberichte und muss sagen, ich kann mich an kein einziges erinnern, wo das Kamerateam mit einbezogen wurde. Auch wenn man sich so Filme anguckt, fragt man sich ja oft: War da jetzt ein Filmteam dabei? Das ist wohl das Los der Kameraleute - vielleicht ja auch bewusst so gewählt.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      schau mal heut abend 19.30 auf ARTE "Sommerreise auf dem Altai", das ist ein positives Gegenbeispiel. Ville und sein Kamerateam reisen durch den Altai. Sie werden oft einbezogen, z.B. indem Ville einem sagt, er soll mal aufpassen, dahinten sind wilde Bisons und wenn alle wegrennen, gelte das auch für ihn. Oder sie filmen sich gegenseitig :D. Oder einer lässt sich tätowieren. Natürlich steht eher die Landschaft und die porträtierten Menschen sowie Ville im Mittelpunkt, aber die beiden Kamerajungs werden nicht unter den Tisch gekehrt!

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