Sonntag, 3. Juni 2018

[Rezension] Nation Alpha von Christin Thomas

Nation Alpha auf dem Kindle
Nation Alpha

Nation Alpha
Autorin: Christin Thomas
Roman, 252 Seiten
Zeilengold Verlag, April 2018
Genre: Science-Fiction, Dystopie
ISBN: 978-3946955092
Affiliate-Link zu Amazon

Woher: Christin Thomas ist die Autorin des #MutzurNische-Buches Hope, seitdem folge ich ihr auf Instagram und wurde so neugierig auf ihr neues Buch. Als Vorbereitung hab ich  das Buch von Mo Asumang Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis gelesen, diese Dokumenation hatte die Autorin zu ihrem Werk "Nation Alpha" inspiriert.



So fängt es an

Meine dunkle Haut schimmert im Licht der Sonne.


Zusammenfassung

Ich bin eine Omega. Wir werden als Sklaven für die Königsrasse der Alphas gezüchtet und haben keine Rechte, keinen Namen, kein Leben. Man behandelt uns nicht wie Menschen, sondern wie Ware.
Und ausgerechnet im Haus des Alpha One, des Führers der Alpha, treffe ich Alphas, die sich für mich interessieren. Kain und Jasmin, meine Blume, die viel zu freundlich ist für eine Alpha. Kann ich ihnen vertrauen?
Jasmin weiß nicht, was ihr Vater beschlossen hat: Alle Omegas durch Maschinen ersetzen. Der Rettungsplan - verzweifelt und vielleicht auch etwas halb ausgegoren. Ist unser Untergang  bereits besiegelt?




Persönlicher Eindruck


Es war interessant, das Buch direkt nach der Inspirationsquelle zu lesen. Die Rassisten, vor allem in den USA, sind ja eigentlich von Angst motiviert. Sie sehen die Bevölkerungszahlen "ihrer Rasse", und die Bevölkerungszahl von z.B. Schwarzafrika, und haben Angst, dass die Blonden aussterben. Diese Angst als Motivator für einen Rassenkrieg und für Rassismus nimmt Christin Thomas als Ausgangspunkt, als unterschwelliges Motiv der Alphas. (Ein persönliches Wort: Auch ich sehe die explodierende Bevölkerungszahlen, mache mir aber andere Sorgen. Meine Sorge gilt eher dem Planeten an sich, nicht speziell der blonden Bevölkerung. Zudem definieren ich "Deutschsein" nicht über die Hautfarbe, für mich sind das eher so Faktoren wie Sprache, Einstellung, etc. Und drittens glaube ich auch nicht, dass Deutschland oder weiße Menschen per se besser sind wie andere. Klar, es gibt Länder, in denen ich nicht wohnen wollen würde, das hat aber auch nichts mit der Hautfarbe der Bevölkerung zu tun. Und zu guter Letzt bin ich der Ansicht, dass der Arschloch-Koeffizient ziemlich gleichmäßig ist. Es gibt unter Deutschen genauso viele Arschlöcher wie unter Kenianern oder Japanern.)

Wieder zum Buch: Er ist in Ich-Form aus der Sicht einer Omega geschrieben. Ziemlich mutige Wahl, denn sie hat als Omega eigentlich keinerlei aktive Handlungsmöglichkeiten, muss naturgemäß passiv bleiben. Es ist ihr noch nicht einmal erlaubt, die Omegas anzusehen - geschweige denn, mit ihnen zu sprechen.

Im Haushalt des Alpha One, in den sie verkauft wird, soll sie sich um die junge Jasmin kümmern. Ausgerechnet die Tochter des Alpha One. Die Protagonistin hat viel Angst, für Fehltritte werden die Omegas hart bestraft. Das war ihre bisherige Erfahrung mit ihren Herren.

Jasmin ist eine seltene Alpha. Sie interessiert sich für die Omegas und weigert sich hartnäckig, sie zu hassen. Stattdessen versucht sie immer wieder, mit ihnen zu reden. Die Protagonisten hat viel Angst, sich darauf einzulassen. Doch nach und nach erobert Jasmin ihr Herz und sie kann irgendwann nicht mehr, als zu antworten. Denn wenn sie nur ihre Rolle spielt, beschneidet das gleichzeitig auch Jasmins Freiheit, sich anders als andere Alphas zu verhalten. Der endgültige Durchbruch in der Beziehung der beiden ist, als Jasmin ihr gesteht, ihr und den anderen Sklaven heimlich Namen zu geben. Noch nie hatte "Omega 4", wie sie im Haus des Alpha One genannt wird, einen Namen. Er steht ihr nicht zu. Aber da ist Jasmin und sie nennt sie Grace. Ein bewegender Augenblick.

Grace erkennt im Umgang mit Jasmin und ihrem Onkel Kain, dass auch die Alphas Sklaven ihrer Gesellschaft sind. Schon als Kind werden sie erzogen, andere zu hassen und zu misshandeln. Menschen wie Jasmin, die sich dem verweigern, leben gefährlich. In der Nation Alpha sind alle Gefangene der Ideologie. Die Vereinten Freien Nationen sind für Grace unvorstellbar. Die Nation Alpha ist ein Land, das stark militärisch aufgerüstet ist und zu den anderen Ländern der Erde Distanz hält, der normale Bürger der Nation Alpha hat keinerlei Kontakte nach außerhalb. Das erinnerte mich auch etwas an Nordkorea. In dem Land sind die Menschen auch wie gehirngewaschen.

Und als wär das alles nicht genug, ist da der monströse Plan des Alpha One. Die Sklaven sind zu teuer, ihre Zucht zu aufwendig. Ein Forschungsprogramm hat Maschinen, Roboter hergestellt, die Omegas werden somit überflüßig und sollen ersetzt - sprich: zu Millionen umgebracht - werden. Das erinnerte an Hitlers wahnhaften Plan, alle Juden umzubringen.

Kains Rettungsplan sieht vor, dass Grace aus dem Land zu den Vereinten Freien Nationen fliehen soll, auf das diese endlich eingreifen. Hier kommt auch Doktor Fischer ins Spiel, ein Charakter, der so wunderbar ambivalent dargestellt wird. Er hilft Grace - aber er will vor allem sein eigenes Leben retten. Er hat schlimme Dinge gemacht, und doch ist auch er nur Opfer und leidet an dem, zu dem er gezwungen wurde.

Die Namensgebung ist auch interessant - Alphas und Omegas. Alpha - das ist der erste Buchstabe und Omega, das ist der letzte; und so sehen es die Alphas auch. Was sie aber nicht bedacht haben: Alpha und Omega, das ist eine Einheit. Sie können nur die Alpha-Menschen sein, weil es jemanden gibt, der unter ihnen steht. Und umgekehrt. Für mich hat "Alpha und Omega" auch einen kirchlichen Bezug - genauso wie "Kain" ein Name ist, den ich mit der Bibel assoziiere. Kain, der erste Sohn, der seinen Bruder Abel erschlug. Wohl auch deshalb ist sich der Leser ständig, wie Grace, im Unklaren darüber, ob man Kain vertrauen kann oder nicht.



Anfänglich konnte ich mich gar nicht recht auf das Buch einlassen. Ich stellte dauernd die Fragen: "Wie realistisch ist das Szenario?" und "Wie können wir die Gefühle von Grace denn tatsächlich nachvollziehen?". Da war ich mir in den Antworten nicht so sicher. Und dann merkte ich, dass ich von der literarischen Umsetzung total gefesselt war. Ich dachte über Grace nach, über Kain, über Jasmin, über die Alphas, die Omegas, ihre Gesellschaft. Tatsächlich hat mich die literarische Umsetzung mehr gefesselt wie die Vorlage, der Bericht von Mo (ich glaube, ich hätte besser Mos Dokumentation gesehen wie das Buch gelesen, das nur nebenbei).
 


Lesen oder nicht?


Empfehlenswert, Christin Thomas liefert ein Szenario einer Gesellschaft, das aufzeigt, was passieren könnte, wenn Rassisten einen "Rassismusstaat" errichten. 

Gesamtbewertung 🌟🌟🌟🌟



3 Zitate


Ich bin auch ein Mensch. Ich verdiene einen Namen und ein Preisschild, auf dem Unbezahlbar steht. [Pos. 227]

»Selbst wenn die Kleine an die Macht käme, würde es genug Alphas geben, die es zu verhindern wüssten, wenn sie versuchen würde, irgendetwas an der Rassentrennung zu ändern.« [Zufallszitat, Pos. 675]

Ich presse fest die Lippen aufeinander. Zum ersten Mal empfinde ich so etwas wie Mitgefühl für dieses Volk, das ich bisher nur verabscheut habe. Zugleich verabscheue ich mich dafür, nie darüber nachgedacht zu haben, wer eigentlich mein wahrer Feind ist. [Pos. 2313]



Weitere Meinungen

  • Büchermomente empfand die Handlung ist ernst, düster und authentisch.
  • Sandys Welt fand die Dystopie gut erarbeitet, ihr fehlten aber weitere Hintergrundinfos. 4 von 5 Sternen
  • Moyas Buchgewimmel schrieb "auf emotionaler Ebene keine ganz leichte Kost, aber dafür eine eindringliche". Eine sehr großartig geschriebene Rezension mit persönlichen Eindrücken.
  • Trallafittibooks war höchst bewegt vom Buch und schreibt: "Selten habe ich so eine mutige Heldin erlebt, deren Glauben an Veränderung und eine angenehmere Zukunft unerschütterlich war und die gleichzeitig alles andere als beneidenswert war – im Vergleich mit anderen Heldenfiguren aus dystopischen Büchern und Filmen."
  •  Im Bücherzelt ist mit den Charakteren nicht so richtig warm geworden und konnte die Beweggründe der "großen Alphas" gegenüber Grace nicht nachvollziehen. 2 von 4 Sternen.
  • Umivankiebookie schreibt:"Nicht nur einmal hatte ich Tränen in den Augen, weil mich die Worte der Autorin so sehr berührt haben."

Kommentare:

  1. Hi Daniela,

    auch hier noch einmal danke für die Verlinkung und ich trage dich bei mir später auch noch in die Liste ein. :)

    Mit dem Nachwort anzufangen gibt dem sicher noch einmal eine etwas andere Perspektive. Normalerweise bleibt mir das Nachwort eines Autors auch gar nicht so sehr im Gedächtnis hängen, aber hier hat man auch einfach gemerkt, wie wichtig das Thema der Autorin war und wie emotional sie an das Buch herangegangen ist. Für mich war es das erste Buch von Christin Thomas, aber bestimmt nicht das letzte.

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Hi Sam,
      ich hab ja in dem Sinne nicht das Nachwort zuerst gelesen, sondern das Buch, das sie in ihrem Nachwort aufgreift. Es war wirklich so - einmal Mos "Gegenwartsbericht", und dann Thomas' literarische Umsetzung, und ich wusste ja nun, woher diese Inspiration war. Das war wirklich interessant, hat es mir aber zu Beginn, wie geschrieben, ein wenig schwer gemacht, mich in die Geschichte fallen zu lassen.

      Deine Rezension war wirklich klasse, ich hab dich sehr gerne verlinkt!

      "Hope" hat mir auch sehr gut gefallen von Christin Thomas, das kann ich auch empfehlen.

      LG,
      Daniela

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  2. Lieben Dank fürs verlinken meines Blog :). Das hat mich sehr gefreut.

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  3. Hey!
    Danke für die Verlinkung :)
    Ich finde es ziemlich cool, dass du Christins Inspirationsquelle zuerst gelesen hast. Das Buch schaue ich mir mal näher an.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  4. Hallo Daniela,

    ersthaft? Die Amis haben Angst, dass die Blonden aussterben? Ich denke, das ist doch auch nur wieder ein vorgeschobenes Argument. Wie alle Flüchtlinge vergewaltigen "unsere" Frauen.
    Was sollen denn wir rothaarigen sagen? Da heißt es ja auch immer, wir sterben aus, was völliger Blödsinn ist.

    Das Buch hört sich auf jeden Fall gut an.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa - nicht die Amis haben diese Angst, sondern die "Neonazis". Und ich glaube nicht, dass das ein vorgeschobenes Argument ist, ich denke, es ist tatsächlich der Grund dieses Hasses, die Angst, auszusterben. Ob das jetzt rational ist oder nicht, mag ja mal dahingestellt sein.

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