Mittwoch, 6. Dezember 2017

Legenden von Nuareth - Die Stunde der Helden von Jörg Benne

Buchvogel-Bloggerin ist begeistert von diesem Buch

Fantasy, 358 Seiten
Mantikore-Verlag, Mai 2015
ISBN: 978-3945493212
hier das Buch bei Amazon


Woher: Bei einer Blogtour gewonnen. Diese Blogtour hatte ich interessiert verfolgt und wurde auf die Bücher des Autors und die Welt, die er geschaffen hat, sehr neugierig. Umso mehr hat mich mein zweiter Preis gefreut!



Erster Satz

Junaksruh. Ein passender Name für die kleine Ansammlung von Häusern, die ich im Dämmerlicht vor mir in der Wildnis liegen sah.


Zusammenfassung


Felahar ist ein junger Schreiber aus Kela. Er kam in die Nordlande,  um Geschichten zu sammeln und Poet zu werden. Als er auf die weithin bekannten drei Helden Dalagar, Wim und Huk trifft, sieht er seine Chance, Heldengeschichten aus erster Hand zu bekommen. Erstaunlicherweise willigen die drei ein und Felahar darf sie begleiten. Doch nach den ersten Abenteuern zweifelt Felahar am Heldentum. Die Wahrheit sieht anders aus, als gedacht.


Persönlicher Eindruck


Wieder mal ein Fantasybuch, das mich vollends überzeugen konnte. Weltenaufbau, Handlung, Tiefe und Charaktere, dazu ein ganz besonderer Sprachcharme bietet Jörg Benne.

Wir begleiten den Ich-Erzähler Felahar. Er kommt aus adeligem Haus, das aber durch Trunksucht des Vaters verarmte. So ist Fela es gewohnt, für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Er arbeitete als Gerichtsschreiber, beschloss aber, in die wilden Nordlande zu ziehen und Geschichten zu sammeln. Er will seinen Traum verwirklichen und ein Dichter, ein Poet werden. Während seiner Reise verdient er sich Geld damit, in den Gasthäusern Geschichten zu erzählen, so die Gäste denn wollen.

In diesem hier wünschten sie von ihm eine Geschichte über drei Helden. Fela konnte sich dunkel an diese drei Helden erinnern und begann zu improvisieren. Jörg Benne hat das so witzig rübergebracht, Felas gar nicht schlechte, wild zusammenimprovisierte Geschichte und seine Gedanken dazu, wie er sich verzweifelt von einem Gedanken und Hinweis auf die Helden zu einem anderen rettete.

Nach der Geschichte wird Fela an den Tisch dreier Neuankömmlinge gebeten. Sie sind höchst amüsiert, weil sie das Erlebnis gar nicht kannten, das Fela erzählte - denn es handelt sich um die Helden in Persona.

Dalagar, ein gut aussehender Krieger, mit ständigen Frauengeschichten. Der riesenhafte und schweigsame Wim und der kleine Huk, Halbgnom und Dashiri. Etwas übereifrig und schüchtern zugleich schafft es Fela, die drei zu überzeugen, dass er mit ihnen ziehen kann und die Heldentaten aus erster Hand zu erleben und darüber zu schreiben. Sie seien keine Helden, sagen die drei:
"Helden." Huk spuckte demonstrativ aus dem Wagen. "Sind wir Helden, Dalagar? Wim, was meinst du?" Die beiden antworteten nicht. "Helden sind Narren, die sich für die Ehre umbringen lassen, Sängerknabe. Wir betrachten uns nicht als Helden. Hast du je gehört, dass wir uns so genannt haben? Wir sind nur drei Männer, die gut kämpfen können und ihre Dienste anbieten, um sich Brot, Bier, Weiber und ein Dach über dem Kopf leisten zu können. Zu Helden haben uns andere gemacht." [S. 71]

Und gleich der erste Auftrag erfüllt Fela mit einer Ahnung, dass die Helden Recht haben. Denn an diesem Auftrag ist so gar nichts heldenhaftes, nichts so, wie Fela es sich ausgemalt hatte. Der Heldenalltag ist grausam bis banal. Doch Fela bleibt erstmal bei ihnen und schon bald geraten die vier in Dinge, in denen auch Fela sich beweisen muss.

Felahar war mir sehr sympathisch. Sein kämpferischen Fähigkeiten sind nicht existent, dafür ist er übergewichtig und drückt sich geschwollen und etwas gestelzt aus. ("Die Sonne stand schon hoch und ihr Licht erschien mit gleißend hell, sodass ich die Augen beschatten musste.") Im Lauf des Buches bedauert er immer mehr, kein Held zu sein, nicht kämpfen zu können, schämt sich fast dafür. Doch was macht tatsächlich einen Helden aus?

Je mehr die Angst wich, desto größer wurde die Scham, dass ich Nassja nicht hatte beschützen können. "Tut mir leid", flüsterte ich heiser, beinah hoffend, dass Nassja mich überhörte.
"Schon gut, Fela", antwortete sie ruhig, ohne zu mir zu sehen. "Ist nicht jeder zum Helden geboren."Sie sagte es leichthin, ohne Schärfe, nicht einmal vorwurfsvoll. Doch selbst mit ihrer Waffe hätte sie mich kaum schwerer verletzen können. [S. 265]


Auch die drei Helden lernen wir gut kennen und erfahren etwas von ihrer Vergangenheit. Sie haben alle ihre eigenen Charaktereigenschaften und bekommen eine eigene Stimme. Auch starke Frauenfiguren hat es in "Die Stunde der Helden", vor allem Nassja, die nicht nur toll kämpfen kann, sondern auch unerschrocken und mutig ist. Sie war ausgezogen, um ihren Bruder aus einem Verlies zu retten. Doch auch Figuren wie Claris oder die Heilerin sind überzeugend. Wie überhaupt alle Nebenfiguren, durchweg überzeugend sind und individuell ausgestaltet.

Die Welt, die der Autor aufbaut, heißt Nuareth. Auch seine anderen Romane spielen in dieser Welt. In diesem Teil von Nuareth gibt es lauter kleine Fürstentümer. Wilde Völker bevölkern die Nordlande z.B. Wolfsmenschen oder Varoks, kleine behaarte Wesen, und Nabloks. Als Reittiere dienen Nobos - Reitechsen. Deshalb kann man auch nur untertags reiten.

Die Stimmung des Romans ist relativ ernsthaft, was mir gut gefallen hat. Felahar erzählt, und manches Mal ist es lustig und brachte mich zum Schmunzeln, aber es ist nie albern oder oberflächlich. Fela nimmt seinen Auftrag und sein Leben ernst; und das merkt man am Stil. Hier wird eine Geschichte mit Tiefgang erzählt, werden wichtige Dinge vermittelt; der Autor nimmt seine Welt ernst und erzählt keine oberflächliche Geschichte - alle Details sind ausgearbeitet und durchdacht, das hat mir sehr gefallen und mich für die Welt eingenommen.

Der Sprachstil ist wirklich gut. Präzise, etwas gehoben, flüssig zu lesen, verständlich, dazu noch von einer gewissen Eleganz. Die Geschichte wird in Ich-Form aus Sicht von Felahar erzählt, es gibt nur einige Einschübe, die in der dritten Person erzählt werden, wenn Felahar selber eine Geschichte von den Helden, meist Dalagar, erzählt wird und er sie nun quasi weitergibt.


Lesen oder nicht?


Ein überzeugender Fantasy-Roman, der ebenso von der inneren Welt des Protagonisten (wann ist man ein Held?) wie von der äußeren Welt Nuareth berichtet. Guter, leichter und eleganter Schreibstil, verbunden mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in der Erzählung überzeugten mich genauso wie die Charaktere der Geschichte. Das wird nicht mein letzter Jörg-Benne-Roman sein!


Gesamtbewertung




Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Halber Stern
Sofa-Fessler
Leseempfehlung


Ein absolut überdurchschnittliches Buch, dass dieses besondere etwas hatte und mit seiner wichtigen Botschaft zur Leseempfehlung taugt.


3 Zitate



Ich räusperte mich. "Ich kann nicht besonders gut singen."
"Ein Barde, der nicht singen kann? Wo gibt's denn so was?"
"Ich bin Poet", gab ich zurück und ein gewisser Stolz schwang in meiner Stimme.
"Po-was?", fragte Wim verständnislos. [S. 74]

Es war das erste Mal, dass ich erlebte, wie es Huk richtig die Sprache verschlug. Mindestens fünf Herzschläge lang stand dem Dashiri der Mund offen und alle Farbe wich aus seinem Gesicht.
"Das ist doch Wahnsinn", stieß er schließlich hervor.
"Wir verlangen auch wahnsinnig viel", gab Dalagar zurück, wirkte aber ebenfalls alles andere als glücklich. [Zufallszitat, S. 150]

Ihr Lob war mir unangenehm. Ich sah weg und zuckte nur die Schultern. "Mehr hatte ich ja nicht zu bieten", murmelte ich.
"Mehr wurde aber auch nicht gebraucht", gab sie zurück. [S. 203]

Weitere Meinungen


  • Nenaties Bücherwelt: Zu Beginn humorvoll, dann düster. 4,8 von 5 Punkten. 
  • Ich lese: Ein Buch für Genreanfänger in der High-Fantasy. 3,5 von 5 Punkten.
  • Buchmonster: Eine spannende, nicht zu schwere Fantasy. 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Daniela,
    das klingt wirklich nach einem tollen Buch! Mit einer Bewertung von 4,5 muss es ein Fantasy-Highlight sein. Ich werde es mal auf meine Merkliste packen, denn ich lese total gerne Fantasy, aber dieses Genre ist so breit gefächert, dass ich gut überlege, welches Buch ich lese. Bin ein großer Hennen-Fan und daran messe ich viele Fantasy Bücher! hihi Hast du "Die Elfen" von Bernhard Hennen gelesen? Einfach traumhaft!
    GlG vom monerl

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    1. Hi Monerl,
      zumindest ist es das für mich, ich mochte die ruhige Erzählart der Geschichte gern.
      Hennen kenn ich noch gar nicht, ich behalt mir den mal im Hinterkopf.
      Gruß,
      Daniela

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    2. Ich habe bisher bur 2 Bände der Elfen gelesen, fand sie aber auch gut

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  2. wunderbar geschrieben. Mir hat es auch gefallen und verlinke Deinen beitrag mal zu meinem Blogtourbeitrag

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  3. Hallo Daniela :)
    vielen Dank fürs verlinken! Das Buch ist wirklich toll. Willst du auch die anderen Bücher die in Nuareth spielen lesen? :)

    LG

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    1. Ja, das hab ich auf dem Schirm, aber noch nicht konkret geplant, wann und was. Ich hab grad noch soviel anderes zu lesen. Aber nach Nuareth werde ich zurückkommen!

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