Dienstag, 29. Mai 2018

[Rezension] In einem fernen Land - Ein Abenteuer aus der Welt von Ardeen von Sigrid Kraft

das Cover zeigt verschnörkelt den Text
Abenteuer in Ardeen

Roman, 477 Seiten
Fahnauer, März 2017
Genre: Fantasy, Schwert und Magie
ISBN:  978-3941436206
hier das Buch bei Amazon


Woher: Gewonnen bei einer Blogtour.



Erster Satz

FALSCH! Was gerade mit ihm geschah, war weit mehr als einfach nur falsch.


Zusammenfassung


Prinz Raiden, der Herrscher von Ardeen, und sein Sohn, Lord Ravenor, finden sich in einem fernen Land wieder. Prinz Raiden hat fast alle seine Magie verloren und verliert bei einem Schlag auf dem Kopf sein Gedächtnis. Zu allem Unglück werden sie auch noch von Banditen gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft.



Persönlicher Eindruck


Das war mein erstes Buch aus der Welt von Ardeen, ich hatte also keinerlei Vorkenntnisse. Es gibt noch mehrere Bücher und eine Reihe, dieses Buch kann aber gut allein stehend gelesen werden. Zu Beginn fand ich das Buch eher langweilig, doch es entfachte beim Lesen einen wahren Sog und nach Abschluss des Buches will ich weitere Abenteuer aus Ardeen lesen!

Handlung

Die Autorin wirft uns förmlich in die Geschichte. Prinz Raiden (trotz des Titels der König von Ardeen) fällt durch ein magisches Tor in dieses fremde Land, ein Wüstengebiet, und schafft es erstmal nicht, zurückzukehren, weil seine Magie fast gänzlich aufgebraucht ist. Da nähert sich von der Ferne ein Mann, der sich als sein Sohn, Lord Ravenor, erweist. Er hatte, als sein Vater durch das Tor ging, geistesgegenwärtig seinen Umhang ergriffen und war mitgereist. Schließlich war er erstens sein Kommandant und wollte ihn zweitens beschützen. Das erweist sich jetzt als sehr klug, denn Prinz Raiden ist als quasi Unmagischer nicht sehr lebenstüchtig.

Als das Schicksal zuschlägt und sie in die Sklaverei verkauft werden, müssen beide damit zurechtkommen. Ravenor - Deckname Runor, Sklavenname Otho - ist offenbar ein gutherziger Mann, doch ebenso ein guter Stratege und Krieger. Er stellt sich erstmal naiv und harmlos, während er alle Möglichkeit einer Flucht bedenkt.

Prinz Raiden - Deckname Alander und Sklavenname Odi - hat noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen, denn er hat sein Gedächtnis verloren. Vielleicht ein Glück, denn so hält der Herrscher von Ardeen die Erniedrigungen des Sklavendaseins besser aus, den Nasenring, der ihren Stand kennzeichnet, die ständige Unterwerfung, das Schweigegebot, die Schläge und Demütigungen.

Unsere beiden Helden schaffen es, die Gunst der Herrscherinnen zu erringen - Odi, der als weltfremder Gelehrter angeboten wird, wird Schreiber, Otho der Masseur der Prinzessin. Obwohl es ihnen vergleichsweise gut geht im Hause Orewain, sinnt Ravenor nach wie vor auf eine Gelegenheit zur Flucht.


Ravenor und Prinz Raiden geraten sehr früh im Buch schon in Gefangenschaft und es war zunächst für mich unerträglich, über ihr Dasein als Sklaven zu lesen. Interessant war auch, wie das System aus Sklaven und Herren begründet wird - es ist nämlich der Wille des Einen, des Gottes des Todes. Sowohl die Gedanken von Ravenor als auch die von Raiden mokieren sich über die logischen Schwachstellen in diesem religiös begründeten System. Vor allem Ravenor ist hier zuweilen tiefst ironisch - das hilft ihm auch dabei, die demütigende Situation zu überstehen. Ravenor und Raiden geben niemals auf.

Charaktere 

Die Hauptcharaktere sind, wie bereits erwähnt, Prinz Raiden und Ravenor. Prinz Raiden ist ein sehr interessanter Charakter, er ist eher ungeduldig, übt oft beißenden Spot, vor allem über Unmagische, wie es sein Sohn Ravenor ist, ist also eher arrogant, doch auch gerissen und sehr klug. Als er sein Gedächtnis verliert, ist er wie ausgewechselt. Der Schreiber Odi, der nichts von seiner Magie und seinem Königshaus weiß, ist freundlich und nicht arrogant. Diesen Wechsel der Persönlichkeit und auch Ravenors Reaktion darauf, ist sehr interessant und gut zu lesen.
Und auch Ravenor ist ein vielschichtiger Charakter. Er muss sich verstellen, um zu überleben - er mimt den harmlosen und feigen Otho. Nur in seinen Gedanken blitzt sein wahres Ich auf.

Es ist auch eine Geschichte über das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Ravenor ist äußerst loyal und hilft seinem Vater, auch wenn er sich manchmal fragt, warum, denn sein Vater ist normalerweise nicht so freundlich wie es der Schreiber Odi dann ist. Doch als dieser lernt er Ravenor - Otho - schätzen.

Weitere interessante Nebencharaktere ist die junge Amida, die Prinzessin, in deren Augen Sklaverei etwas komplett selbstverständliches ist, und die doch ihre Sklaven nicht quälen will. Auch die Herrin Lethia findet Sklaverei selbstverständlich, beide hängen auch komplett der religiösen Überzeugung an, die Sklaverei als gottgefällig ansieht.

Sprache & Stil

Das Buch lässt sich flüßig lesen. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Ravenor und Raiden erzählt, mit Gedanken-Einschüben von beiden, dies sehr gut in kursiver Schrift dargestellt. Einige Bilder im Buch runden das Ganze ab, doch auch ohne diese konnte ich mir alles sehr gut vorstellen.

Am Anfang fand ich es relativ uninteressant, doch ähnlich einem Wasserstrudel hat mich das Buch und die Charaktere mehr und mehr in seinen Bann gezogen - ich will definitiv noch mehr von Ardeen lesen.

Einziger Kritikpunkt (mag für manche auch ein Pluspunkt sein) ist, dass ich nie das Gefühl hatte, es könnte etwas komplett schlimmes passieren, z.B. einer der Protagnisten sterben. Ich wusste einfach, dass sowohl Ravenor als auch Raiden es wieder nach Hause schaffen. Somit ist der Spannung die Spitze genommen.

Durch die ironisch-witzigen Gedanken der Hauptpersonen hat der Roman seine humoristischen Momente.



Lesen oder nicht?


Es gibt viele interessante Aspekte in diesem Buch, wie eine nicht ganz einfache Vater-Sohn-Beziehung, starke Charaktere, wie sie sich in das Leben als rechtloser Sklave einfinden und die religiöse Geschichte dahinter. Auch der Fantasy-Aspekt ist grandios, obwohl wir nur recht wenig von der Magie erfahren, wirkt sie doch durchdacht und frisch! Spannung und Witz sind gleichermaßen vertreten, ich kann die Geschichte nur empfehlen.

Gesamtbewertung: 🌟🌟🌟🌟


3 Zitate


Warum wollte ich ihm eigentlich helfen? Ich hätte es wissen müssen, dass ich hier nur Schimpf und Schande ernte, dabei hätte es ein herzliches 'Danke' auch getan.
"Soll ich jetzt wieder gehen, mein Prinz?"
Die unüberwindbare Schlucht zwischen Vater und Sohn hatte sich wieder einmal aufgetan und klaffte nun drohend zwischen den beiden. [S. 14]

So selbstlos, wie er mir hilft, hat er wahrlich ein großes Herz.  Dabei konnte Prinz Raiden noch nicht einmal ermessen, wie recht er mit dieser Einschätzung tatsächlich lag. Vor allem wenn man bedachte, wie er Ravenor noch vor wenigen Tagen behandelt hatte. Aber Prinz Raidens altes Leben hatte mit einem Schlag aufgehört zu existieren und nun begann er die Welt um sich herum neu einzuschätzen und das ohne jegliche Vorbehalte. [S. 59]

"Ihr Dschinai glaubt immer, der Eine hätte euch ein schlimmes Los aufgebürdet, doch tatsächlich hatte er es gut mit euch gemeint und euch das Leben sehr einfach gemacht. Man sorgt für euch und sagt euch, was ihr zu tun habt. Ihr müsst euch nicht tagein, tagaus mit allen möglichen Entscheidungen abquälen und die Sorgen eines Herrschers sind euch fremd. Handelsverträge, Grenzstreitigkeiten, Blutfehden, Intrigen... Aber was erzähle ich dir das alles überhaupt, du hast von diesen Dingen ja eh keine Ahnung. Stimmt's Odi?"
Mehr als du, du Hinterwäldlerfurz.  [S. 211]







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