Sonntag, 20. Mai 2018

[Rezension] Von echten Puppen, bitteren Pillen und erfundenen Paten - von Julia Bohndorf

das Cover zeigt eine strickende Oma, die freundlich lächelt
Hobbys: Porzellanpuppen und Stricken

Novelle, 116 Seiten
KopfKino Verlag, 2016
ISBN:  978-3981796711
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Woher: Rezensionsexemplar des Verlages


Erster Satz


Das wilde Klopfen ihres Herzens, Stimmen auf dem Flur und zu laute Musik aus der Nachbarwohnung ließen Thea Rohde keine Ruhe finden.



Zusammenfassung

Für die Rentnerinnen Thea und Erna steht das 10-jährige Klassentreffen an. Da schon so viele gestorben sind, lautet die neue Devise: Mit Partner oder Enkel. Schwierig für die Rentnerinnen, da ihre Partner auch schon verstorben sind, Thea gar keine Enkel hat und Ernas Enkelkind in USA lebt. Da kommen beide unabhängig voneinander auf die glorreiche Idee, sich ein Enkelkind zu mieten.



Über den KopfKino-Verlag


Der KopfKino-Verlag verlegt Novellen oder Kurzromane in Spielfilmlänge. Das Motto ist hierbei: Lesen und das Kopfkino anschalten. Die kurzen Romane eignen sich von ihrer Länge deshalb gut anstelle eines Fernsehabends oder um Wartezeiten bei Ärzten etc. zu verkürzen.


Persönlicher Eindruck


Ich hatte mich für einen humorigen Titel aus dem KopfKino-Verlag entschieden und erwartete, ehrlich gesagt, einen etwas längeren "Groschenroman". Meine Erwartungen wurden in dieser Hinsicht nicht erfüllt, die Novelle ist deutlich besser.


Stil und Sprache


Trotz der Kürze war die Charakterzeichnung vorhanden, die beiden Omas und ihren geliehenen Enkel fand ich großartig. Der Plot natürlich übersichtlich, vermochte aber zu unterhalten. Das Thema an sich humorvoll umgesetzt, ich musste einige Mal laut lachen, aber auch mit einer menschlichen Wärme.


Story und Charaktere


Wir lernen zunächst die Rentnerin Thea kennen, ihre Schrullen und ihre Stärken. Theas Nachbarin Theresa, kurz Resa, ist knapp über zwanzig und mit ihren gefärbten Haaren und Treppenhauspartys eigentlich der Schreck aller Ruhesuchenden, dennoch freunden sich sie und Thea an.

Erna und ihr Gärtner haben eine freundschaftliche Beziehung und unterhalten sich auch schon mal bei Kaffee und Kuchen über die anstehenden Arbeiten.

Die Einladung zum Klassentreffen stürzt Thea in Zweifel, denn dieses Mal ist der Partner oder ein Enkel mitzubringen, damit es lebendiger wird, doch die verwitwete und kinderlose Thea hat weder das eine noch das andere. Auch Erna ist verwitwet und ihr Enkelkind lebt weit entfernt.

Als dann beide sich zufällig vor einer Umkleidekabine begegnen, in der sie gerade exakt das gleiche Kostüm für die Feier anprobiert haben, flammt eine uralte Feindschaft zwischen den beiden Rentnerinnen wieder auf. Sie komme mit ihrer Enkelin Resa, erklärt Thea urplötzlich, auch zu ihrem eigenen Erstaunen. Und diese sei Zahnärztin. Und ihr Enkel Anwalt, sagt Erna und denkt dabei an ihren Enkel Lasse. Kratzbürstig gehen die beiden Rentner auseinander - und müssen nun Nachbarin und Gärtner davon überzeugen, die Enkel zu spielen.


Der Plot ist ein wenig vorhersehbar, für einen Kurzroman, der mich unterhalten soll, find ich das aber nicht schlimm. Nur schade fand ich, dass später, auf dem Klassentreffen, gefühlte 20 Namen und Personen auf mich einprasselten, die ich kaum auseinanderhalten konnte. Zum Trost sei gesagt, dass ich selten einen so anrührenden Schluß gelesen habe.


Lesen oder nicht?


Diese Novelle des KopfKino-Verlages hat mich überzeugt, und das Verlagskonzept auch: Ein Kurzroman in Spielfilmlänge, mit einem unterhaltsamen Plot, witzig und mit sympathischen Charaktere.


Gesamtbewertung: ⭐⭐⭐



Zitat


»Wie dem auch sei, wer begleitet dich?«
Erna wusste nicht, dass die Ehe zwischen Thea und Jan kinderlos geblieben war, da sich die beiden Frauen nach der Schule möglichst aus dem Wege gingen. Fieberhaft zermarterte sich Thea das Hirn und spuckte kurz darauf, auch zu ihrer eigenen Überraschung, einen Namen aus: 
»Theresa, meine Enkelin.« 
Was hatte sie da eben gesagt? Ausgerechnet ihre Nachbarin Theresa mit den bunten Haaren, die sich nicht wirklich zu benehmen wusste, sollte als ihre Enkelin durchgehen? Aber Thea lächelte tapfer und verzog keine Miene. 
»Oh … wundervoll. Ich bringe Lasse mit. Er ist Rechtsanwalt.« 
So impulsiv und ohne rot zu werden hatte Erna noch nie gelogen.. 
[Pos. 410]

Weitere Meinungen



  • Foxi's Bücherschrank hat die älteren Protagonisten ins Herz geschlossen und die Geschichte beim Frisör gelesen (perfekt, während die Färbung einwirkte)
  • 1001 Buch - Sherazade musste auch, trotz vorhersehbarer Handlung, teilweise so lachen, dass ihr die Tränen kamen 
  • Binchen`s Bücherblog  vergibt die Höchstpunktzahl für diese skurille und unterhaltsame Geschichte







Kommentare:

  1. Liebe Daniela,

    das hört sich sehr witzig an!
    Den Verlag schau ich mir mal an.

    Liebe Grüße
    Petrissa

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    1. Hi Petrissa,
      ich find das Konzept echt cool. Ist auch gut zum Verschenken.

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