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Montag, 18. Mai 2020

[Rezension] Geologie für Dummies von Alecia M. Spooner

Geologie für Dummies

Im Gegensatz zur Geographie, der breitgefächersten und vielfältigsten aller Wissenschaften, geht die Geologie richtig in die Tiefe. Nun, im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht darum, wie die Erde aufgebaut ist, wie Gesteine und Minerale entstanden sind.

Das ist im Einzelfall sehr kleinteilig und auch komplex, aber immer anschaulich erklärt. Wie man aus einem Gestein schließen kann, unter welchen Bedingungen dieser entstanden sein muss und was das über den Aufbau unserer Erde verrät, fand ich - wie bei der Dummie-Reihe üblich - gut und verständlich erklärt.

Was ich auf jeden Fall mitnehme ist die Erkenntnis, dass sich alle Gesteine dieser Erde immerzu ineinander umwandeln. Von Vulkanen zur Schmelze zum Sand und wieder zurück. Es mag für manche banal sein, für mich war das ein richtiges Aha-Erlebnis.

Montag, 6. April 2020

[Rezension] Geographie für Dummies von Charles A. Heatwole


Geographie ist wohl die umfassenste und vielfältigste aller Wissenschaften. Es geht um Zusammenhänge, um kombiniertes Denken.
Sie erklärt uns, wieso die Dinge so sind, wie sie sind und sie kann mit so gut wie jedem anderen Themengebiet kombiniert werden. Medizinische Geographie könnte bzw. die Ausbreitung der Pandemie untersuchen und herausfinden, warum sie sich in einem Land stark, in einem anderen nur langsam ausbreitet. Als Beispiel.

Der Autor konzentriert sich aber in seinem Buch auf andere geographische Themenbereiche. In Kapitel 1 bereitet er erstmal die Grundlagen vor, das hat mir gut gefallen. Es wird anhand eines konkreten Beispiels erklärt, wie ein Geograf denkt (warum sind die Löwen in Afrika dort, wo sie jetzt sind - und wieso unterscheidet sich das von ihrem Gebiet ein paar Jahrhunderte früher?). In diesem Kapitel werden auch die Grundlagen der Kartographie erklärt. Was für mich keine Offenbarung oder Neuheit war, aber es wurde sehr gut erklärt und mit Beispielen der verschiedenen Karten illustriert - Stichwort: Wer liegt, der lügt.

Dann geht es um die physische Geographie, also um die Kräfte, die das Antlitz der Erde formen. Auffaltung, Erosion, Wasser, und Sonne - das führt zur Klimageographie und zu den verschiedenen Klimazonen. Kultur- und Wirtschaftsgeographie sind dann die Themen der beiden letzten Kapitel. Kulturgeographie hat mich noch fasziniert, Wirtschaftsgeographie ist mein Thema so nicht. Hier ging es z.B. darum, wo ein guter Standort ist für eine Pizzeria (an einem Ort mit viel Laufkundschaft).


Mittwoch, 25. März 2020

[Rezension] Ein Jahr im Mittelalter - Essen und Feiern, Reisen und Kämpfen, Herrschen und Strafen, Glauben und Lieben von Tillmann Bendikowski


Ich weiß nicht, warum das so ist - aber das Mittelalter fasziniert die Menschen. Mich auch. So erregte auch dieses Sachbuch über das Mittelalter meine Aufmerksamkeit.

Jahr im Mittelalter


Der Autor berichtet in 12 Kapiteln über das Mittelalter. Jedes Kapitel hat ein eigenes Thema, z.B. das Reisen oder das Gerichtswesen. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Themen nahe am Volk war. Der Autor hat immer versucht, die Stimmung jener Zeit rüberzubringen. Wie haben die Menschen gefühlt, wie sah ihr Alltag aus, wie dachten sie über die Todesstrafe? Sie lebten in einer völlig anderen Zeit, und es ist wirklich schwer, sich in diese völlig andere Kultur anzufühlen. Gerade der normale Mensch war ja meistens eher mit dem Überleben als mit dem Leben beschäftigt.

Montag, 17. Februar 2020

[Rezension] Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann

Schnelles Denken, langsames Denken

Daniel Kahnemann ist ein einflussreicher Kognitionspsychologie und gewann 2002 den Wirtschaftsnobelpreis. In "Schnelles Denken, langsames Denken" beschreibt er, wie unser Hirn denkt, warum es das meistens prima macht, aber für welche systematischen Fehler es anfällig ist. Dabei stellt er folgendes vor:

  • Zwei Systeme (System 1 und System 2)
  • Econs und Humans
  • Zwei Selbste (das erinnernde und das erlebende Selbst)



Zwei Systeme

System 1 ist das schnelle Denken. Es hat ein Modell parat von der Welt, wie sie funktionieren soll, kann im Sekundenbruchteil überraschende von normalen Ereignissen unterscheiden und sucht dann nach einer überzeugenden Interpretation.
System 1 ist das System, das automatisch agiert. System 2 denkt langsam und analytisch, aber wird nur dann zugeschaltet, wenn es die Ergebnisse von System 1 überprüfen soll. Meistens nickt System 2 nur das Ergebnis von System 1 ab.

Mittwoch, 1. Januar 2020

[Rezension] Was den Mond am Himmel hält von Michael Büker und Tanja Wehr

Was hält den Mond am Himmel? Darauf gibt der Wissenschaftsjournalist Michael Büker hier einprägsam und unterhaltsam Antwort, versehen mit vielen Illustrationen der Sketchnoterin Tanja Wehr.


Mond mit Erde und Mond



Persönliche Meinung 


Bei diesem Sachbuch merkt man, dass Astro-Physiker Michael Büker Erfahrung in der Vermittlung von wissenschaftlichen Themen hat, als Science Slamer, Wissenschaftsjournalist bei PM und Mitglied des Podcasts "Sag mal, du als Physiker". Aus letzterem hab ich auch von diesem Buch erfahren, Michael Büker erwähnte es in einer oder zwei thematisch nahen Podcastfolgen. Die Vermittlung von wissenschaftlichen Themen ist also Michael Bükers Profession und der Mond sein Steckenpferd. Da muss ja etwas Gutes bei raus kommen.

Kapitelanfang, ganz in Blau



Bükers Stil ist tatsächlich einzigartig, plaudernd, mit einem gewissen Humor (ich mochte sowohl die Büroangestellte Luna Mond als auch den Reiseführer, der alles mit Deutschland vergleicht), er schreibt eingängig und wählt gute, einprägsame Vergleiche. Dabei hilft auch, dass am Ende eines Kapitels alles auf einer Doppelseite in Form von Sketch Notes illustriert wird. Gut, um die Themen zu rekapitulieren. Ich hab tatsächlich das Gefühl, dass ich mir viel merken konnte.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

[Rezension] Allgemeinbildung Kultur für Dummies von Christa Pöppelmann


Kultur für Dummies
Mit vielen Post-Its versehen
wurde mein Exemplar.

Jeder kennt sicherlich die Dummies-Reihe. Ihre Stärken sind die verständliche Wissensvermittlung und eine strukturierte Darstellung. Bei so einem weiten Feld wie der "Allgemeinbildung Kultur" war ich gespannt, wie die Autorin das löst. Und ich muss sagen, Chapeau, richtig gut gelungen.

Sie selbst schreibt im Vorwort: "Selten zuvor habe ich derart gespürt, dass es beim Schreiben von Büchern zur Allgemeinbildung weniger darum geht, Wissen zu vermitteln, als vielmehr das in großen Massen vorhandene Wissen zu bändigen."

Mit "Allgemeinbildung Kultur für Dummies" bekommt der Leser einen fundierten Überblick über alle Bereiche, gute Checklisten zum Merken und zahlreiche Zusammenhänge und kleinere Wissensschnipsel, die das Ganze gut lesbar machen. Es macht richtig Spaß, das Buch zu lesen.

Natürlich eignet es sich auch als Nachschlagwerk oder man liest quer nur die Stellen, die einen interessieren. Ich interessiere mich aber für vieles und lese es einfach ganz klassisch von vorne nach hinten.

Samstag, 23. November 2019

[Rezension] Das geheime Netzwerk der Natur von Peter Wohlleben


Peter Wohlleben ist dieses Jahr zu einem der für mich wichtigsten Autoren geworden. Dieses Buch ist das dritte, das ich von ihm gelesen habe und es gefällt mir nach Das geheime Leben der Bäume am Besten. In diesem Buch geht es um die faszinierenden Zusammenhänge in der Natur. Wohlleben geht der Frage nach, wie einzelne Systeme funktionieren und auch, wie sich diese Systeme verändern, wenn nur ein winziger Baustein angefasst wird.

Bspw. erzählt er, dass gerade unsere moderne Gesellschaft mit einem durchlichteten Wald und dem Jägereiwesen dafür sorgt, dass es mehr Rehe hat wie früher. Bis zu 50mal mehr als es ursprünglich der Fall gewesen wäre. In einem Wirtschaftswald ist es lichter wie im ursprünglichen Buchenwald und das führt dazu, dass auf dem Boden mehr Kräuter und Büsche wachsen und die Rehe mit Nahrung versorgen. Zudem kirren die Jäger, d.h. sie füttern das Wild im Winter (damit sie es leichter schießen können, weil das Wild immer an die Kirrstelle zurückkommt), aber auch das führt dazu, dass in den Wintern kein Wild mehr umkommt. Die Wolfsfrage ist natürlich eng damit verknüpft.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

[Rezension] Das geheime Band zwischen Mensch und Natur von Peter Wohlleben

Der Mensch ist geschaffen für ein Leben mit der Natur.

Der Autor sagt: Wir Menschen sind immer noch Geschöpfe der Natur, unsere Sinne keineswegs regeneriert, sondern bestens an ein Leben in der Natur angepaßt, bei den modernen westlichen Menschen allenfalls etwas untrainiert. Es gibt ein Band zwischen uns der Natur und zahlreiche Wechselwirkungen. So hat der Wald und die Bäume Einfluß auf unser Wohlbefinden und wir gestalten den Wald unbewusst und mit der modernen Forstwirtschaft auch bewusst.

Dabei wendet sich Wohlleben gegen die Kahlschlagforstwirtschaft und Monokultur. Plantagen sollten wir als das benennen was sie wirklich sind: Auf Gewinn ausgelegte Holzproduktionen. Mehr Buchen, Laubwälder und Urwälder brauchen wir, schon in unserem ureigensten Interesse, als Helfer im Kampf gegen die globale Klimakrise und gegen lokale Erwärmung. Die Plenterwirtschaft ist da ein Baustein, das Wertschätzen eines intakten Ökosystems Walds ein anderer.

Samstag, 5. Oktober 2019

[Rezension] Amundsens letzte Reise von Monica Kristensen


Roald Amundsen, norwegischer Held

Im Jahr 1928 fuhr das Luftschiff Italia zum Nordpol, eine gewaltige Erstleistung. Doch beim Rückflug havarierte das Luftschiff unter der Leitung von Umberto Nobile. Eine gewaltige Suche begann, die größte, die das Nordpolargebiet je gesehen hat.
Auch Amundsen, der berühmte Polarforscher, war Teil der Suche, doch er sollte davon nie mehr wiederkehren.

"Amundsens letzte Reise" ist ein Sachbuch, das chronologisch die Geschehnisse um die Fahrt der Italia, der Suchmannschaften und Amundsen schildert. Es ist weniger ein Bericht über die Verhältnisse im Nordpolargebiet, auch wenn das natürlich eine gewaltige Rolle spielt. Aber mehr noch ist es ein Bericht über die damaligen Verhältnisse.

Es ist ein Bericht darüber, mit welcher mentalen Grundhaltung und mit welcher Technik Menschen sich Richtung Nordpol wagten. Die politischen Verhältnisse spielten dabei auch eine Rolle, so mancher Nation ging es mehr darum, sich bei der Rettungsaktion gut und kompetent darzustellen als das pure Menschenliebe den Ausschlag gegeben hätte.

Italien, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, Dänemark und Frankreich beteiligten sich schließlich an der Suche und bekräftigten so ihren Anspruch auf die Polarregionen.

Freitag, 20. September 2019

[Rezension] Schluss. Mit. Plastik von Martin Dorey

Umweltfreundlicher Print informiert über Maßnahmen gegen den Plastikwahn.
2-Minuten-Lösungen gegen den Plastikwahn.

Ein bisschen die Welt retten - und das in zwei Minuten. In einer immer unübersichtlicher werdenden Flut aus Plastik liefert dieses kleine Buch klare Informationen und schnell umsetzbare Tipps für leerere Mülleimer und ein leichteres Gewissen.

Persönlicher Eindruck



Dieses Buch habe ich nun schon länger hier rumliegen und ganz vergessen, es zu rezensieren. Dabei hat es mich sehr inspiriert, ich habe einige der Tipps schon konkret umgesetzt. Es ist für mich ein Buch mit Nachschlagecharakter, immer mal wieder nehme ich mir ein anderes Kapitel vor und überlege, ob ich noch mehr umsetzen kann.

Ich habe es mir gekauft, weil mich das viele Plastik in unserer Umgebung langsam nur noch anekelt. Alles mögliche wird in Plastik verkauft, Wegwerfartikel und Obst. Dazu die Nachrichten über den gewaltigen Müllstrudel im Ozean und Mikroplastik in unseren Körpern (!!!).

Donnerstag, 19. September 2019

[Rezension] Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin von Christine Gitter

Klappentext:

Medikamente sind für uns Helfer in der Not, manchmal lebensnotwendig, sie bergen aber auch Risiken und Nebenwirkungen für unsere Gesundheit. Anschaulich und charmant erzählt Apothekerin Christine Gitter alles, was man wissen muss, um sich im Dickicht der Pharmazie sicher zu bewegen.

Die Pharmazeutin Christine Gitter kennt sie ganz genau: die Fragen und Sorgen all jener, die eine Apotheke aufsuchen. Wie soll man es schaffen, eine riesige Kapsel zu schlucken? Woher weiß die Kopfschmerz-Tablette, dass sie in den Kopf soll und: Gibt es diese Pille auch vegan? Jetzt hat sie ihr gesammeltes Apotheken-Wissen aufgeschrieben.

Freitag, 23. August 2019

[Rezension] Buchgenres kompakt von Anette Huesmann


Lesegenuss und Nachschlagewerk.

Buchgenres kompakt ist ein Nachschlagewerk das 98 Genres und Subgenres vorstellt und auch geläufige Synonyme listet. Es gibt jeweils eine Entstehungsgeschichte mit Vorläuferwerken und den ersten Werken, die dem Genre zugeordnet werden. Unter Besonderheiten werden bspw. Abgrenzungen zu anderen Genres oder Subgenres aufgezeigt. Dann folgen noch aktuelle Beispiele für das Genre, sowohl deutschsprachig als auch anderssprachig.

Ein sehr interessante Einführung in das Thema Buchgattungen und Konventionen und ein Index rundet das Nachschlagewerk ab.


Anette Huesmann ist Germanistin, Sprachwissenschaftlerin, Autorin und Schreibtrainerin und deshalb schon von Hause aus an Büchern interessiert. Das Nachschlagewerk, das sie hier vorliegt, füllt für mich eine Lücke, die ich als Buchbloggerin schon schmerzlich gefühlt habe. Denn ich gebe bei meinen Rezensionen immer auch das Genre an, und manchmal fällt mir das gar nicht leicht. Ist das jetzt mehr ein historischer Roman oder ein Krimi? Oder beides? Und auch in Umfragen, z.B. von Verlagen, wird man ja nach seinen bevorzugten Genres gefragt.

Montag, 5. August 2019

[Rezension] Afghanistans verborgene Töchter: Wenn Mädchen als Söhne aufwachsen von Jenny Nordberg

Buchvogel hebt das Buch hoch
Buchvogel ist froh,
eine Frau in Deutschland zu sein

Das patriachale Gesellschaftssytem in Afghanistan bietet Frauen und Mädchen keine Freiheit und keine Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Zwangsverheiratung ist an der Tagesordnung und sie haben weniger gesetzliche Rechte.

Frauen und Mädchen sind auch im Alltag kaum sichtbar. Aus wirtschaftlichen, magischen oder gesellschaftszwängenden Gründen heraus sind jedoch einige der Jungen auf den Straßen eigentlich Mädchen. Sie werden als Jungen aufgezogen und genießen viele Freiheiten; sie dürfen laut sein, rennen, toben, spielen und anderen in die Augen sehen.


Mein hauptsächliches Gefühl beim Lesen war ein ungläubiges "Aber... das geht doch nicht". Es geht nicht, dass Männer ihre Frauen verprügeln dürfen und kein Gericht und niemand sich darum schert. Dass 14-jährige verheiratet werden. Dass eine Frau ein Festmahl bekommt, wenn sie einen Sohn zur Welt bringt, aber unter Umständen Schläge, wenn es ein Mädchen wird. Die Frau kann nämlich durch pures Wollen das Geschlecht des Kindes beeinflußen und wenn es ein Mädchen wird, hat sie sich nicht fest genug einen Jungen gewünscht, es ist also ihre Schuld- sagt die afghanische Gesellschaft.

Samstag, 27. Juli 2019

[Rezension] Das Verschwinden des Josef Mengele von Olivier Guez

Hörbuch Mengele Audible

Im zweiten Weltkrieg war er der Todesengel von Auschwitz, selektierte fröhlich pfeifend die Neuankömmlinge im Lager: Josef Mengele. Für seine Taten kam er nach Kriegsende auf die Liste der Kriegsverbrecher und lebte ein elendes Leben als Flüchtling. Mengele floh nach Lateinamerika, wo er sich in verschiedenen Ländern und Wohnorten versteckte, als Landwirt arbeitete und mit Hilfe vieler Unterstützer der deutschen Justiz entzog.

Persönlicher Eindruck

Stilistisch konnte mich das Hörbuch nicht ganz überzeugen. Viele Sätze ohne Verben erzeugten eine plakative Geschichtsbuchatmosphäre, die mich nicht immer abholte, allerdings mäandert der Autor auch gekonnt zwischen Nähe und Distanz zu Mengele. Wir sehen ihn als Flüchtling leiden, bekommen aber niemals Mitleid mit ihm.

Sobald er die Chance dazu bekommt, tyrannisiert Mengele als Despot seine Umgebung. Reue für seine Taten in Auschwitz hat er nie empfunden. Den Beruf als Arzt sah er nicht als Retter für einzelne Menschen, sondern als Retter für den deutschen Volkskörper, der "Erbschädlige" entfernte.

Inhaltlich fand ich das Buch überzeugend. Es war für mich unglaublich zu lesen, wie die ehemaligen Nazis in Lateinamerika sich zunächst relativ unbehelligt ein neues Leben aufbauen und netzwerken konnten. Geschützt von Peron, in Ruhe gelassen von der deutschen Justiz. Es interessierte die ersten Jahre schlichtweg niemanden. Mengele reist sogar nach Deutschland, um nach seiner Scheidung erneut zu heiraten.

Montag, 15. Juli 2019

[Rezension] Unser mathematisches Universum von Max Tegmark

Kindle-Version
Max Tegmark ist
auf der Suche nach dem Wesen der Wirklichkeit.

Das Universum sei reine Mathematik, davon ist Max Tegmark überzeugt. In diesem Buch trägt er zusammen, was wir über den Kosmos wissen und warum wir es wissen. Forscher und Forscherinnen berechneten die Ausdehnung des Universums, seinen Anfang und sein mögliches Ende. Die beobachteten Werte passen dazu. Die Mathematik fügt alles zusammen.

Wir reisen in die große Weite des Alls und dann wieder zu den allerkleinsten Bausteinen der Materie und sind dabei auf der großen Suche nach dem schlußendlichen Wie.

Max Tegmark erzählt teilweise sehr persönlich, lässt immer auch Erlebnisse einfließen. Er wurde 1967 in Schweden geboren und ist jetzt Professor für Physik in Massachusetts.

Persönlicher Eindruck


Max Tegmark hat einen wissenschaftlichen Anspruch, das ist klar. In einer ordentlichen Struktur und mit persönlicher Motivation nimmt er den Leser mit auf eine Reise durch die Erforschung des Kosmos. Er erklärt nicht nur, was wir wissen sondern leitet auch her, woher wir es wissen und wie es berechnet wurde - ohne Formeln zu bemühen. Max Tegmark identifiziert am Anfang drei mögliche Leserzielgruppen, gibt Hinweise, welches Kapitel man dann auslassen kann und wo man wieder einsteigen kann. Also - ein Vollblutwissenschaftler :D

Dienstag, 2. Juli 2019

[Rezension] Die Intelligenz der Bienen von Randolf Menzel und Matthias Eckoldt

Bienenbuch

Ein Buch über die Intelligenz der Honigbienen. Die Autoren klären, wie man Bienen untersucht, wie diese lernen und wie intelligent sie sind

Randolf Menzel ist Zoologe und Neurobiologie und forscht seit über 50 Jahren an und mit Bienen. Er war über 30 Jahre der Leiter des Neurobiologischen Instituts der Freien Universität Berlin. Hauptsächlich um seine Forschungen und die seiner Studenten, aber auch um die anderer Forschungsgruppen berichtet er in diesem Buch, zusammen mit dem Wissenschaftsjournalist Matthias Eckoldt.

Persönlicher Eindruck


Ein populärwissenschaftliches Buch über die Intelligenz der Bienen, das aber dem Leser auch einiges an Mitdenken abverlangt. Insgesamt sechs Kapitel erwarten den Leser:
  1. Wie man mit Bienen ins Gespräch kommt
  2. Da Bienengehirn, der andere Weg zur Intelligenz
  3. die 7 Sinne der Bienen
  4. Lernen und Gedächtnis
  5. das Bienenvolk
  6. Biene und Umwelt

Samstag, 22. Juni 2019

[Rezension] Der Zahlendieb: Mein Leben mit Zwangsstörungen von Oliver Sechting

Zahlendieb

Oliver Sechting ist Sozialpädagoge, etwas über 40 Jahre alt, in Göttingen aufgewachsen und seit gut zehn Jahren der Lebensgefährte von Rosa von Praunheim. In seiner Autobiografie erzählt er von sich und seinen Zwängen. Wie alles in der Kindheit begann; eine gutbürgerliche Kindheit in der die Farben Beige und Grün vorherrschten. Das Fugentreten war der harmlose Einstieg in eine Zwangskarriere. Eventuell haben der frühe Verlust des Vaters und seine Homosexualität und die damit verbundene Geheimhaltung damit zu tun oder sie begünstigt.

Zitat: Die Erkenntnis, dass die Zwänge kein Defizit, sondern eine Erkrankung darstellen und helfen, verschiedene Ängste zu regulieren, entlastet den Autor. Er sucht sich professionelle Hilfe, erlebt ein erfolgreiches Coming-out und entwickelt Bewältigungsstrategien, um trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben anzustreben. Das Buch entstand unter Mitarbeit von Karen-Susan Fessel. (Klappentext)

Persönlicher Eindruck


Diese Autobiografie, die man so gut auch mit dem Titel "Mein Zwang und ich" überschreiben kann, hat mich gefesselt, entsetzt, bewegt und mir Mut gegeben. Oliver Sechting ist seit seiner Kindheit von Zwängen eingeengt. Denn das ist diese Erkrankung, sie engt ein und führt zu Leidungsdruck. Oliver Sechting leidet an Gedankenzwängen und zwar genauer gesagt unter magischen Gedanken. Das heißt, dass er gedankliche oder konkrete Rituale durchführen muss, um negative Assoziationen zu neutralisieren. So steht die Zahl 58 für etwas negatives. Wenn er ihr begegnet, sie z.B. irgendwo sieht, dann muss er die Zahl 7 dagegenhalten, sie ebenfalls sehen, aussprechen oder aufmalen.

Dienstag, 30. April 2019

[Rezension] Deutschland deine Schwaben von Thaddäus Troll

Schwabenbuch
Schutzumschlag fehlt zwar, aber macht nix

Thaddäus Troll, selber Schwabe, wirft hier in 22 Kapiteln einen Blick auf die Schwaben und versucht, ihr Wesen zu ergründen. Denn der Schwabe ist ein zwar rätselhafter, gleichsam aber liebeswürdiger Mensch.

Persönlicher Eindruck


Thaddäus Troll ist ja, zumindest im Schwabenland, gut bekannt. Allerdings hatte ich noch nie ein Werk von ihm gelesen. Dieses Buch mochte ich sehr, es eignet sich nur, wenn man selber Schwabe ist, in Schwaben wohnt oder jemand kennt, der Schwabe ist. Es schadet zudem nicht, den Dialekt ein wenig zu verstehen, sonst wird man bei mancher Anekdote ratlos zurückbleiben. Dann aber hat man doch den ein oder anderen Aha-Effekt.

Wie man ein Kompliment, das man vor seinem Gewissen nicht verantworten kann, durch eine Anhäufung von Einschränkungen in sein Gegenteil verwandet, hat mir mein Freund Hermann Reutter erzählt. Seine Mutter wurde einmal nach einem Abschieds-Liederabend von dem Sänger, dessen Stimme vom Zahn der Zeit schon arg müde genagt war, gefragt, wie ihr das Konzert gefallen habe. Sie antwortete: "Also Herr Kammersänger, i muß Ihne wirklich sage, wie wunderbar schee Sie trotz allem mitonder dronternei immer no wieder au gsonge hent." [S. 172]

Montag, 15. April 2019

[Rezension] Wörter und Regeln. Die Natur der Sprache. von Steven Pinker

Wörter udn Regeln

Dieses linguistische Fachbuch erläutert, wie das lexikalische Gedächtnis für Wörter und das prozedurale Gedächtnis für grammatische Regeln zusammenarbeiten. Vor allem wird das am Beispiel der Vergangenheitsformen erklärt - die irregulären werden im Gedächtnis gespeichert, die regulären anhand von Regeln zusammengestellt; etwas vereinfacht gesag. Steven Pinker sammelt Indizien für seine Theorie und nimmt uns mit auf einen spannenden Weg.

Persönlicher Eindruck


Dieses Buch ist im Spektrum Akademischer Verlag erschienen und nimmt es mit der Herleitung wirklich ernst. Zunächst war es überraschend, dass es wirklich zu einem Großteil um reguläre und irreguläre Verben geht. Die Theorie, die der Autor vertritt, ist überzeugend und sie wird in den verschiedenen Kapiteln auf den Prüfstand gestellt, verfeinert und erweitert. Zum Beispiel werden verschiedene Untersuchungsmethoden und andere Theorien vorgestellt, wir werfen einen Blick auf den Spracherwerb von Kindern, von den Fehler, die bei verschiedenen Krankheitsbildern auftreten, von den Erkenntnissen, die Forscher aus neuen MRT-Verfahren bekommen können.

Dienstag, 19. März 2019

[Rezension] Bin ich normal, wenn ich mich im Konzert langweile?: Eine musikalische Betriebsanleitung von Christiane Tewinkel

Buch im Orchester
Buch über ein Konzert im Konzert
Fachlich und unterhaltsam beleuchtet die Autorin Fragen der Musik, die man sich schon immer gestellt hat - oder auch nicht.

Bin ich normal, wenn ich mich im Konzert langweile? Warum darf ich nicht klatschen oder essen im Konzert? Warum sind klassische Stücke so lang? Blamiere ich mich, wenn ich einen Sampler kaufe? Warum klingen Chöre oft so schief?

Persönlicher Eindruck


Manche der Fragen hatte auch ich mich schon gefragt, und hab mich über die unterhaltsam geschriebenen und informativen Antworten gefreut. Ich weiß jetzt, warum ein Orchester unterschiedlich klingt je nach Dirigent und wieviel Musiker verdienen.

Andere der Fragen hatte ich mich noch nie gefragt, z.B. ob man die Sonatenhauptsatzform hören muss. Diese Kapitel klingen eher ein wenig akademisch oder verschwurbelt und sind nicht ganz so unterhaltsam wie die "populären" Fragen.

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